Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 3 (März 1902)
- Article
- Ein katholischer Edelmann über den Antisemitismus
- Date
- 1902-03-01
- Page
- 132 (sequence 4)
- Language
- German
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132 Im deutschen Reich. findet." l) So kann niemand unserm Autor vorwerfen, daß er in eigener Sache forschend einer leicht erklärlichen Selbsttäuschung bei seiner Auffassung des jüdischen Charakters unterlegen sei. Für viele wird auch ins Gewicht fallen, daß Coudenhove kein bloßer „Auchkatholik", sondern ein von den Vorzügen seines ererbten Glaubens überzeugter und begeisterter Katholik ist, der seinen Klerus, ja sogar die Jesuiten gegen mancherlei Verleumdungen vertheidigt und die Vorzüge seiner Confession in besonders Helles Licht zu setzen strebt.'^) Den Worten der Bergpredigt „Selig sind, die dürsten nach der Gerechtigkeit" glaubte er aber, als er die Erbärmlichkeit der gegen uns erhobenen Verleumdungen eingefehen hatte, die Pflicht entnehmen zu müssen, in seinem Werke „durch die Gerechtigkeit auch gegen Israel zur Friedfertigkeit, einem andern Gebote der Bergpredigt, nach Maßgabe seiner Kräfte beizutragen." Er wird also durch dieselben Motive wie der vorzüglichste Bekämpfer der Ritualmordlüge, der fromme protestantische Theologe Strack, zu seinem Auftreten gegen die Antisemiten bestimmt. Das neue Buch ist aber nicht nur durch die Persönlichkeit des Autors wichtig. Weit mehr fällt ins Gewicht, daß während bisher die Theorie des Rasfenantisemitismus nur in jenen Stücken angegriffen wurde, die in Werke wissenschaftlichen Charakters übergegangen waren, Graf Coudenhove den Stier so zu sagen bei den Hörnern ergriffen hat. Er hat sich der wenig angenehmen Arbeit unterzogen, die ganze Litteratur jener Theorie sowie die der übrigen Schattierungen des Antisemitismus durchzuarbeiten; ebenso kennt er aber auch die wichtigsten Gegenschriften. Endlich hat er auch die Ergebnisse der theologischen, anthropologischen, historischen und philologischen Litteratur eingehend berücksichtigt, soweit sie mit seinem Thema in Zusammenhänge stehen. 3) 1) So er selbst S. 22, wo er auch hinzufügt: „Ware dies aber der Fall, so würde ich dies nicht nur nicht verschweigen, sondern es gradezu freudigst bekennen, weil ich stolz wäre auf die Verwandtschaft mit den heiligsten Männern und Frauen, die je auf diesem Planeten gewandert". 2) Vgl. z. B. S. 21-23, 314, 332. 8) Scheint auch unsere Zeitschrift noch nicht dem Grafen Cöudenhouve bekannt geworden zu sein, so hat er doch sowohl die Erklärung der jüdischen Gemeinde zu Berlin über die jüdische Sittenlehre wie die Editionen, welche die historische Kommission für die Geschichte der Juden in Deutschland veranstaltete, mit Erfolg benutzt. Dies mag als Zeichen dafür dienen, daß solche Veröffentlichungen zur Aufklärung der öffentlichen Meinung, jo langsam sie auch wirken mögen, doch nicht unnütz sind.