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Im deutschen Reich · 1902-03-01 · Heft 3 (März 1902) · p. 131

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 3 (März 1902)
Article
Ein katholischer Edelmann über den Antisemitismus
Date
1902-03-01
Page
131 (sequence 3)
Language
German
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Ein katholischer Edelmann über den Antisemitismus. 131 vielfach Widersprechendes anoführen. DieS hinderte aber die Antisemiten nicht, sich auf jene Bücher zu berufen. Andererseits haben leider Juden und Christen, welche den Antisemitismus bekämpfen wollten, oft nur das Unsinnige und Unsittliche des Glaubenshasses und allenfalls auch des Rassenhasses hervorgehoben, ohne die antisemirischen Schriften und Programme Zn lesen und im einzelnen zu widerlegen. Mit einem gewissen Recht konnte dann die Partei, welche sich selbst als antisemitische bezeichnet, und eine Reihe von antisemitischen Schriftstellern darauf Hinweisen, daß ihre Ausführungen durch jene Aeußernngen überhaupt nicht getroffen werden. Um so erfreulicher ist es, daß jetzt ein Buchvon Dr. Heinrich Graf Coudenhove, das Wesen des Antisemitismuserschienen ist, welches unwiderleglich nachweist, daß nach den gesicherten Ergebnissen der Wissenschaft der ganze Rasieantisemitismus „ein horrender Unsinn" ist und die übrigen Erscheinungsformen des Antisemirismns entweder wie der religiöse mit den Grundlagen wiffenschaftlicher Weltanschauung und den Lehren Christi oder, wie der wirthschaftliche und der ästhetische Antisemitiemus, mit den Forderungen der Gerechtigkeit in schreiendem Widerspruche stehen. Gewiß ist dies alles, namentlich auch die Erkenutniß, daß die antisemitische Rassentheorie als „Unsinn" bezeichnct werden muß, nicht ganz neu. Grade in unserer Zeitschrift-) ist schon des öfteren darauf hingewiesen worden, daß nach dem gegenwärtigen Stande der Wissenschaft die als „Semiten" bezeichnten Völker, namentlich wenn man die Juden dazu rechnet, durch nichts als durch Sprachverwandtschaft mit einander verbunden sind, und daß Entsprechendes auch bei den Ariern der Fall ist. Schon aus diesem Grunde muß es aber als aller wissenschaftlichen Methode widersprechend bezeichnet werden, ge. wisse Charaktereigenschaften den „Ariern," andere den „Semiten" zuzuschreiben, auch wenn damit keine so albernen Selbstberaucherungen und gehässigen Derkäumdungen wie im Antisemitenspiegel verbunden sind. Es kommt indeß, damit eine Irrlehre endgültig beseitigt wird, auch sehr wesentlich darauf an, wer sie widerlegt und in welcher Weise es geschieht. Zunächst ist es wichtig, daß Graf Coudenhove Katholik ist. Er entstammt einer hochbedeutenden Adelsfamilie, aus deren vielfach gedrucktem Stammbaume sich jeder überzeugen kann, daß in Graf Coudenhove's Adern „sich nicht die geringste Spur jüdischen Blutes J) Berlin 1901 S. Calvary & Cv. s) Vgl. z. V. 111 S. 119 u. VII S. 201, 202.

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