Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-02-01
- Page
- 120 (sequence 10)
- Language
- German
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120 Im deutschen Reich. Schlachtmethode richtenden Bemerkungen. Da die in Rheydt und anderen Orten gemachten Erfahrungen bewiesen haben, daß die von einzelnen den Antisemiten Vorspann leistenden Thierschuhvereinen gegen das Schächten gerichtete Agitation stets durch Gesuche eingeleitet zu werden pflegt, zunächst den christlichen Fleischern das Schächten zu untersagen, haben wir geglaubt, die von dem Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde eingesetzte „Commission zur Beschaffung des Koscherfleisches" auf diesen offenbaren neuen Vorstoß der Schächtgegner aufmerksam machen zu sollen. Dieselbe hat uns als Ergebnis der auf ihre Veranlassung angestellten Ermittelungen Folgendes mitgetheilt: „Von den hiesigen Engros-Schlächtern lassen etwa 15 koscher schachten. 10 dieser Händler sind befragt worden; ihnen hat die in der „Staatsbürger-Zeitung" erwähnte Eingabe nicht Vorgelegen, auch ist ihnen nichts davon bekannt geworden, daß eine derartige Eingabe in Umlauf gesetzt sei. Der Artikel beruhe auf Erfindung eines Reporters. Die Schächter der jüdischen Gemeinde swächtcn nur die von den Koscherfleischbändlern bestellte Anzahl Thiere. Die Prozedur des Schächtcns wird von unseren Schächtern nicht in der in dem Zeitungsartikel geschilderten DKise verzögert, vielmehr unnüttelbar nach dem Legen der Thiere, auf welches die Schächter regelmässig warten, vorgenommen." — Den Schächtern sind aber die bezüglichen Verwürfe gar nicht gemacht worden, sondern denjenigen christlichen Fleischern, welche angeblich selbst Rinder schachten, weshalb das Antijemitenblatt auch die Eingabe als „offenbar von jüdischer Seite ausgehend" bezeichnete. Ebenso unrichtig wie diese Behauptung dürfte aber auch die Annahme sein, daß die Unterzeichnung der Eingabe hiesigen christlichen Engros-Schlächtern zugcmuthct werden könnte. Etwas glaubhafter erscheint schon die Angabe der katholischen „Mark. Volksztg.", daß „die Eingabe von Angestellten des Vlehhofes herrühre", aber auch dies steht noch keineswegs fest, vielmehr ist das Ganze wahrscheinlich nur ein in einem antisemitischen Thierschutzverein aufgestiegener „Versuchsballon". Dafür spricht die Notiz der „Staatsbürger-Zeitung" vom 8. Januar, wonach der „Nntcrfränkische Thierschutz.'erein" beschlossen haben soll, den dortigen Magistrat zu ersuchen, „wenigstens den christlichen Metzgern das Schächten im Schlachthof zu verbieten". Daß die Herren den Magistrat gleichzeitig auch ersuchen wollen, die Gehilfen sowie die Mauern um den Schlachtbof panzern zu lasten, damit bei Benutzung der von den antisemitischen Thicrschützlern so warm empfohlenen „Schußmaske" nicht aus purem Mitleid für das liebe Vieh Menschenleben schwer gefährdet werden — verlautet noch nicht, wäre aber eigentlich Menschenpflicht!