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Im deutschen Reich · 1902-02-01 · Heft 2 (Februar 1902) · p. 115

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 2 (Februar 1902)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1902-02-01
Page
115 (sequence 5)
Language
German
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IRI
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V er c insnachrichten. 115 sprach. Uneigennützig zeigte er sich Ln der Zurückweisung von Geldanerbietungen, die ihm seine Freunde machten. Ehre. Geld und Genuß wies er weit von sich, er betrachtete „die menschlichen Leidenschaften, Handlungen, als wenn von Linien, Flächen oder Körpern die Rede wäre". Als er einmals seine Geschwister des Erbtheils wegen verklagte, geschah es nur, um dem Recht zum Siege zu verhelfen; denn er erstattete das ihm rechtlich Zugespr^chene als Sieger den Besiegten fast gänzlich zurück. Der Redner ging hierauf zur Besprechung des Systems und der Werke Spinozas über. Besonders eingehend wurde die „Ethik" geschildert. Der Redner fühlte das Publikum in das pantheistijche System Spinozas ein und zeigte, wie Glied an Glied sich in der Gedankenrcihe aneinanderfügt. Spinoza glaubt, daß der Intellekt die absolute Wirtlichkeit begreifen kenne; für ihn ist die mathematische Methode das Vorbild aller Beweisführung. Der Redner führte dem Zuhörer die Gedanken der „Ethik" vor die Seele, verweilte besonders bei der Gottcsanschauung Spmozas und seiner Lehre über die Willensfreiheit und schloß mit Spinozas .,^mor intdlectualis Deiu. „Nicht führt die Tugend zur Glückseligkeit, sondern die Glückseligkeit ist Tugend". — In einigen Hauptzügen wurde das System Spinozas kritisiert und gezeigt, daß Spinozas Lehre kein Atheismus, aber auch kein Theismus im Sinne des Iudenthnms ist; es wird endlich anlehnend an Kant darauf hiugewiesen, daß Spinozas metaphysisches Svstem zwar überwunden ist, daß aber trotzdem das Wort eines Denkers stine Berechtigung hat: „Spinoza hat als Heros der Gedankenfreiheit eine welthistorische Bedeutung". Im letzten Theile des Vortrags zeigt der Vortragende, welch mächtigen Einfluß Spinoza auf Theologen wie Schleiermachcr, auf Philosophen wie Swellmg und Hege! ausgeübt. Am meisten wirkte er auf die Dichter: aus dem deutschen Dichterwald rauscht dem deutschen Volke Spinozas Geist entgegen; wirkt ja der Dichter am meisten von allen Künstlern auf das Gcmüth und den Willen des Volkes drrrch das lebendige Wort. Gutzkow führt uns in seinem „Acosta" Spinoza als den Werdenden vor; Berthold Auerbach, der in seinen Dorfgeschichten die deutsche Volksseele so tief erfaßte, zeigt in seinem lcscnswerthcn Roman „Spinoza" die Gestalt des Philosophen allerdings mehr von der Dichtung verklärt als der Wahrheit gemäß gezeichnet. Besonders sind es die beiden Dichterfürsten Lessing und Goethe, die, von Spinozas Ideen erfüllt, dieselben in ihren Werken verkünden. Lejsing's Stellung zum Spinozismus hat sich allmählich entwickelt, und immer mehr und mehr huldigt er dem-

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