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Im deutschen Reich · 1902-02-01 · Heft 2 (Februar 1902) · p. 100

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 2 (Februar 1902)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1902-02-01
Page
100 (sequence 10)
Language
German
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IRI
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100 Im deutschen Reich. fast neutralen politischen Haltung gehabt. Die Lage der Juden in der Provinz Posen hat sich seit der Wrcschener Affaire besonders schwierig gestaltet, weil nicht nur die christlichen Lehrer, welche für die Förderung des deutschen Sprachunterrichts Belohnungen erhalten haben, sondern alle, welche die deutsche Sprache pflegen, von denjenigen Polen verfolgt werden, die von den Antisemiten die politische Agitation im Pückler-Styl gelernt haben. Daß sich manche Inden zu denjenigen vornehm denkenden Polen freundlich stellen, welche vorurtheilsfrci handeln, ist nur natürlich. Daß es solche Persönlichkeiten im Osten Deutschlands unter Nichtdeutschen giebt, beweist eine aus polnischer Feder geflossene Preisarbeit über die „Volksfehler der Polen" als welcher der schon von Moritz von Sachsen gerügte „Feminismus" bezeichnet wird. In diese- Schrift giebt sich ein sehr achtungswerthes Streben nach Selbsterkenntnis;, Selbstzucht und den unter den Polen lebenden deutschen Juden gegenüber nnhr Gerechtigkeitsgefühl kund als bei vielen durch den Antisemitismus für die deutsche Propaganda gründlich verdorbenen deutschen Grenzbewohnern. Auch in Oesterreich sind die Inden, die einst auch dort Pioniere des Deutschthums waren, seit längerer Zeit durch den Antisemitismus im politischen Leben zu einer passiven Haltung gezwungen, welche nicht nur von ihnen, sondern von allen, die es mit dem Dcutscbthum ehrlich meinen, beklagt wird. Der „christlich-soziale" Antisemitismus, der in Wien eine herrschende Stellung einnimmt, richtet sich übrigens mit derselben Schärfe wie gegen die Juden, auch gegen die Protestanten. Prinz Liechtenstein, der bekanntlich die widersinnige Behauptung des Abg. Ernest Schneider flottweg bestätigte, Gras Andrassp habe einst ihm gegenüber den Glauben an jüdische Nitualmorde bekundet, richtete neuerdings in öffentlichen Versammlungen Schmähungen gegen die evangelischen Gemeinden Stciermarks. Dies veranlaßte sie zu einem Massenproteft gegen den fanatischen hochgestellten österreichischen Neichsrathsabgeordneten, der als Scvüler des Kanonikus Rohling sich nrcht nur damit begnügt, die Juden zu verketzern, sondern das Lutberthum in ähnlicher Weise befehdet und auch dabei in der Auswahl der Waffen nicht gerade wählerisch ist. In dem Massenprotest wird gesagt: „Der Reichsrathsabg. Prinz Lichtenstein hat kürzlich unerhörte Schmähungen gegen die evangelischen Gemeinden unseres Vaterlandes in öffentlicher Versammlung ausgestoßen. Aufgefordert, seine lügenhaften Behauptungen als Ehrenmann entweder zu beweisen oder zu widerrufen, hat er bis heute geschwiegen; ebenso hat auch der steirische Abg. Baron Morsey in der Rcichsrathc-schung vorn 25. November 1901 unsere geliebte evangelische Kirche, unser

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