Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-02-01
- Page
- 99 (sequence 9)
- Language
- German
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Umschau. 99 Stelle irgend jemand von den Vorstandsmitgliedern oder Freunden des Ostmarkenvereins mir der Behauptung hcrvorgetreten, daß die gesetzlich gewährleistete Gleichberechtigung aller Staatsbürger, somit auch der jüdischen, nicht im Verwaltungswege außer Kurs gesetzt werden dürfe.". Daß die „Kreuz-Ztg." und die „Staatsbürger-Ztg." noch weiter als die „Deutsche Tageszeitung" gehen, nicht nur den Vorstand des Ostmarkenvereins wegen einer Stellung zum Antisemitismus angreifen, sondern auch die Forderung einer angeblichen ,,Bewerbung um die Gunst des Judcnthums" als eine aussichtslose bezeichnen würden, war vorauszusehen. Wenn die Antisemiten ihr.-nr Judenhaß stöhnen wollen, kümmern sie sich wenig um irgend eine Schädigung der nationalen Lacke. Dem „Berliner ^Tageblatt" wurde aus Posen geschrieben: „Dem Zuzug der polnischen Kaufleute und Handwerker steht derAbzug derDcutscken und inebesondere der Israeliten gegenüber. Der Antisemitismus. der, wir müssen es leider gestehen, hauptsächlich unter den Deutschen und insbesondere unter der Beamtenschaft grassiert, hat hier traurige Felgen, die nur dem Polemhum zu Gute kommen. Wo eine jüdische Firma erlischt, tritt nrcht etwa eine deutsche an ihre Stelle; zwei polnische Kauflente sind die Erben, und wo früher eine dcmsche Stätte war, ist wieder ein polnischer Agitationsherd erstanden." Um die Bedeutung der Juden der Ostmark für die Erhaltung des Deutichthums zu bestreiten, veröffentlichen die Antisemiten eine lange Liste von Geschäftsinhabern, welche in der Provinz Posen und anderen Orten, wo zahlreiche Polen sich aufbalten, polnisch sprechende Verkäufer such n. In dieser Liste sind aber auch viele christllcb.e Gesevästsinhaber aufgeführt, die ebenso wie die jüdischen Kauflcute darauf angewiesen sind, durch Anstellung polnisch sprechender Handlungsgehilfen sich die Kundschaft polnischer Mitbürger zu erhalten und zu verhindern, daß von deutschfeindlicher Seite die Errichtung speostsch polnischer Waarenhäuser als dringendes Bedürfniß wachgerufen werde. Ebensowenig wird jemand daran denken, denjenigen antisemitischen Kaufleuten, welche in Volksversammlungen über die Roth der Buren die größte Entrüstung bekunden, daraus einen Vorwurf zu machen, wenn sie englisch sprechendes Persona! engagieren, um ihr Fremdengeschäft nicht zu verlieren! Die Juden sind im ganzen Osten, weil ihre Haussprache deutsch war und deutsch blieb, von den Nachbarvölkern als Deutsche betrachtet worden und haben seit der Zeit, wo unter den Beamten in den Grenzstationen des deutschen Reiches der Antisemitismus überhand nahm, der ihr Deutschthum bestritt und ihre Existenz-Bedingungen erschwerte, oft nur noch die Wahl zwischen Auswanderung oder einer