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Im deutschen Reich · 1902-02-01 · Heft 2 (Februar 1902) · p. 95

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 2 (Februar 1902)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1902-02-01
Page
95 (sequence 5)
Language
German
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IRI
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Umschau. 95 gleichzeitig die in Schaumburg-Lipp> kaum willkommene Forderung eines hohen Kornzolls vertrat. Die grenzenlose Enttäuschung der Deutsch-Sozialen über den Mißerfolg ihres auesichtsvollsten Kandidaten macht sich vorzugsweise in Vorwürfen gegen die antisemitische deutsche Reformpartei Luft, welche zwar gegen die Fraktion Liebermann Liesen Groll hegt, aber sich dagegen verwahrt, die Kandidatur Reventlow's geschädigt zu haben. Liebennann von Sonnenberg hat übrigens schon selbst dafür gesorgt, sich und seine Fraktronogcnossen um den letzten Rest von Volksthümlichkeit zu bringen. Der unglaublich rohe Ton, den er im Reickstage anschlug, um die weitverbreitete Mißstimmung über die traurigen Vorkommnisse in Südafrika möglichst dazu auszunutzen, sich als den kühnsten Wortführer in der Burensache aufzuspielen, hat ihm eine sehr empfindliche parlamentarische Niederlage bereitet. Der Reichskanzler Graf Vülow bezeichnete unter fast allseitigem Beifall das Auftreten des antisemitischen Rufers im Streit als ein solches, „Welches weder den Gepflogenheiten noch den Interessen des gesitteten deutschen Volkes entspreche"; er sprach dabei dem Abgeordneten Liebermann das Gefühl der Verantwortlichkeit vollständig ab und gab rund und bündig die für die antisemitischen Volksredner recht empfindliche Erklärung ab: „Durch Reden und Volks« versammlnngen können wir uns die Richtschnur der auswärtigen Politik iüd)t vorschreiben lassen. Sie wird bestimmt durch reale Interessen des Landes unter voller Aufrechterbaltung unserer Würde und Ehre." Was der so zurechtgewicsene Abgeordnete nachher als „persönliche Bemerkung" dagegen verbrachte, wurde noch mißfälliger bemerkt; sein Zugeständnis, daß er nur deshalb geglaubt habe, den gerügten schroffen Ton anschlagen zu muffen, damit seine Werte höheren Orts gehört würden, erweckte eine Heiterkeit, die er in diesem Falle sicher nicht hervorzurusen beabsichtigt hattet Daß der antisemitische Viclrcdner selbst seine Sache geschädigt hat, zeigte auch ein Artikel, den die Hamburger Wochenschrift „Der Lotse"' am 25. Januar veröffentlichte. In diesem Aufsatz wurde sein „lächerlicher Angriff auf Hamburg" in schneidiger Weise zurückgewiesen und der „Lapidarftil der Liebermann'schen patentierten Schnellfeuergeschützrede" einer beißenden Kritik unterzogen. Der Verfaffer dieser Entgegnung, Rudolf Schwache, nahm dann auch noch einen Trabanten Liebermann's in nachstehenden Sätzen vor: „Die Antisemiten haben uns Hamburger überhaupt, wie wir sagen „gehörig aus'n Kieker". Wir haben die vielleicht nicht ganz berechtigte Eigenthümlichkeit, unser Leben durch Exporthandel und Exportindustrie zu fristen, und dieses

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