Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1902)
- Article
- Der Antisemitismus in der Schweiz
- Date
- 1902-02-01
- Page
- 72 (sequence 8)
- Language
- German
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72 Im deutschen Reich. ihnen ermöglichen, da zu bleiben, wo sie sind, ohne der Militärpflicht zu genügen, dafür aber sich als Staat im Staate unter der übrigen Gesellschaft festzufetzen und diese durch Staatsanträge, Gesandtschafts- und Konsulatsschutz auszunützen." Ob ihn ein Zionist durch einen selchen widersinnigen Bericht über den Zweck des Kongresses genasführt, ob er selbst dieses Phantasiegebilde ersonnen oder geträumt hat, läßt sich den Artikeln des bekanntlich nahe bei dem „Rheinfall" erscheinenden „Intelligenzblattes" leider nicht mit Bestimmtheit entnehmen.. Der Mann kennt den Zionismus offenbar nur vom Hörensagen, ist über die Juden sowie über das Iudenthum herzlich schlecht unterrichtet und hat wahrscheinlich seine bezüglichen Kenntnisse nur aus antisemitischen Parteiblättern und aus dem Werke „Das Erwachen der jüdischen Ration", des Vorstandes der Missionsgesellschaft in Basel, I)r. C. F. Hem an geschöpft. Diese Schrift scheint infolge des Mißtrauens gegen die zionistischen Bestrebungen weit minder den Frieden zwischen den Bekennern der verschiedenen Religione'n anzustreben , als die vor zwanzig Jahren erschienenen Schriften des Baseler Universitätsproscssors über die „historische Wcltstelluug der Inden" und über „die religiöse Weltstellung der Inden". Der Verfasser der Iutclligenzblatt - Artikel steht aber auch nicht auf dem vermittelnden konservativen Standpunkt Hemans, sonderndem der freigeistigen „Hamans" unserer Zeit; er geht viel schroffer als Heman gegen die Inden vor, die er ebenso grausam mißhandelt wie die Logik, wenn er am Schluffe seiner Ausführungen erklärt: „Die Juden sollen ausgerottet worden, aber nicht nach alter Weise, nicht nach den Vorschriften der Antisemiten, sondern dadurch, das; wir dem Schachtverbot ein Beschneidungsverbot folgen lassen.. Dann hört die Rasse auf, solche zu sein; sie vermischt sich mit der übrigen Gesellschaft und überträgt ihre guten hervorragenden Eigenschaften ans dieselbe, während die rein semitischen verschwinden." Es ist trotzdem nicht ausgeschlossen, daß diese widersinnigen Theorierr ebenso Anhänger in der Schweiz finden, wie diejenigen, welche dazu führten, Schächtverbote einzuführen; letztere haben in keiner Weise den zu ihrer Empfehlung benutzten Thierschutz, sondern durch den „Kopfschlag" größere Thierquälereien und durch die „Schußmaske" sogar Gefährdung von Menschenleben bewirkt. Wie das rituelle jüdische Schächten von unzähligen Fachmännern als die rationellste Schlachtmethode bezeichnet worden ist, so hat auch die jetzt betämpfte Beschneidung, welche nicht nur bei den strenggläubigen Juden, sondern auch bei den Mohamedanern, überhaupt bei fast allen