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Im deutschen Reich · 1902-02-01 · Heft 2 (Februar 1902) · p. 70

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 2 (Februar 1902)
Article
Der Antisemitismus in der Schweiz
Date
1902-02-01
Page
70 (sequence 6)
Language
German
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70 Im deutschen Reich. „cmözurotten" und verhehlt gar nicht, daß er selbst eine Wiederholung dieser bisher glücklicher Weise erfolglos gebliebenen Versuche nicht ungern sehen würde. Seiner Meinung nach hätten die nicht sehr menschenfreundlichen Versuche glücken müssen, wenn nicht die christliche Religion „die Inspirations-Theorie dem Judenthum entnommen", sich selbst nur zu einer „Abart der jüdischen Konfession" gemacht und die kirchliche Rechtgläubigkeit beider christlichen Konfessionen dazu beigetragen hätte, das Fortbestehen des talmudischen Judenthmns zu ermöglichen. Demnach ist es unverkennbar mit der Geschichtskenntnisi des schweizerischen Antisemiten, der wörtlich erklärt, „das Wunder ist b!os, daß wir Andern alle nicht auch beschnitten sind", nicht besser bestellt als mit seinen ethnographischen Kenntnissen, von denen der ganz unzutreffende Satz Zeugniß giebt: „Unter den großen Völkern buddhistischer und chinesischer Religion leben keine Juden." Wenn man auch von dem „Ausrotter" in Schaffhausen nicht gerade verlangen kann, daß ihm Marco Polos Bericht, wonach dieser berühmte Reisende schon im 13. Jahrhundert Juden in China antras, oder ein aus dem Jahre 1704 stammendes bezügliches Schreiben des Jesuiten Gozany an Suarez bekannt sein soll, so ist es doch sür die durch keine Sachkenntniß getrübte Behauptung des schweizerischen Antisemiten bezeichnend, daß ihm auch das neuzeitliche Werk des Generals Tscheng-Ki-Tong „China und die Chinesen" ebenso unbekannt ist wie ein im Dezember 1-sOD in der „Gazette de Lausanne" veröffentlichter Artikel über „die jüdischen Kolonien in China". Dies entspricht vollständig der bereits gekennzeichneten Manier des unbekannten Verfassers, gewagte Behauptungen ohne den Schimmer eines Beweises aufzustellen. So erllärt er sich die offizielle Beglückwünschung des Baseler Kongresses einfach dadurch, daß die „christlichkirchliche Rechtgläubigkeit im Zionismus ihre neueste Stütze erblicke", die günstige Haltung des Sultans damit, daß die Juden in allen Staaten Europas über das Geld, die Presse, das Getreide und das Vieh verfügen sollen. Daß ungeachtet dieser märchenhaften Machtstellung und trotzdem es sogar den Juden vor 33 Jahren geglückt ist, sich in die nach Ansicht des Schaffhausener Sachkenners sogar „die Schweiz beherrschende Geheimgesellschaft der Freimaurer cinzudrängen", die Zionisten auswandern wollen, erklärt er sich nur durch die Besorgniß der Zionisten um den durch die „Reformjuden" in's Wanken gerathenen Glauben. Bon den Reformjuden weiß er zu berichten, daß sie nicht nur Sonntagsgottesdienste, deutsche Predigt uud Chorgesang einführen, die Schächtung und die Beschneidung fallen lassen, sondern auch Christus als Propheten *anerken.nen. Nun meint der

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