Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1902)
- Article
- Der Antisemitismus in der Schweiz
- Date
- 1902-02-01
- Page
- 67 (sequence 3)
- Language
- German
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Der Antisemitismus in der Schweiz. 67 Autoritäten in einer seitdem veröffentlichten und später noch wiederholt vermehrten Sammlung von Gutachten im entgegengesetzten Sinne ausgesprochen hatten, blieb in der Schweiz in weiten Kreisen unbeachtet. In dem „politischen Jahrbuch der schweizerischen Eidgenossenschaft" für 1899 schrieb der berühmte Professor der Universität Bern, I)r. Hilty, darüber, jene Gutachten hätten die eidgenössischen Näthe vollständig davon überzeugt, daß das Schächten keine Thierquälerei sei, „nur nicht das irregeleitete, aber für die Sache gleichgiltige schweizerische Volk, das mit seinem Verbot, neben dem sächsischen, noch immer ganz gllein in dem weiten Erdenrunde steht." Das Schächtverbot in der Schweiz war nicht lediglich eine Folge der leidenschaftlichen Agitation der Thierschützer; auch dort suchten die Antisemiten den Neligions- und Rassenhaß zu entflammen, genau so wie im Königreich Sachsen, wo einzelne politische Parteiführer ganz offen zugegeben haben, daß sie von dem Schächtverbot weniger einen Schutz der Rinder, als die Abwehr deo etwaigen Zuzugs strenggläubiger Israeliten erhofften. Daß diese Erwartung sich nur theilweise erfüllt Hatz daß vielmehr die sächsischen Konservativen durch ihre kurzsichtige Förderung des sich hinter dem Vorwände des Thierschutzes versteckenden Rassenhasses nur das für ihre Mandate verhängnißvolle Emporkommen der radikalen Antisemiten und der sozialdemokratischen Dissidenten bewirkt haben, ist eine wohlverdiente Strafe für Leute, die „nichts gelernt und nichts vergessen" haben. Seltsamer Weise geht dagegen in . der Schweiz die Agitation gegen jüdische religiöse Einrichtungen nicht von den orthodoren Konservativen, sondern von Männern aus, die sich offen als heftige Gegner der strenggläubigen Richtung im Christenthum hinstellen und dabei sogar diese als eine Stütze für das „talmudische Judenthnm" bezeichnen. Von solchen mit den antisemitischen „Wotansverehrern" in Deutschland und Oesterreich offenbar wahlverwandten schweizerischen Politikern ist vor zehn Jahren der erfolgreiche Angriff auf die jüdische rituelle Schlachtmethode ausgegangen, vor acht Jahren eine Volksabstimmung über den Ausschluß der Juden von öffentlichen Aenttern und Offiziersstellen angeregt worden und wird jetzt wiederum, anscheinend aus Aerger über die offizielle Beglückwünschung des b. Zionisten-Küngrejses in Basel durch die dortige Regierung, ein weiterer starker Vorstoß gegen eine andere jüdische religiöse Einrichtung vorbereitet. Indem „Schaffhausener Jntelligenzblatt", dem amtlichen Publikations-Organ des Kantons, ist im Monat Januar unter der eigentlich unzutreffenden Ueberschrift „Die Zionisten" eine