Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1902-01-01 · Heft 1 (Januar 1902) · p. 33

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 1 (Januar 1902)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1902-01-01
Page
33 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2316602-2316689-2316690--09071-2329039
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Umschau. 33 Aufklärung des Mordes in Könitz für nölhig hielten, hätte eigentlich jede ihnen in Aussicht gestellte Enthüllung, gleichviel von welcher Seite sie kam, willkommen sein müssen! Von diesem Gesichtspunkte ausgehend, dürfte die dei den George-Versammlungen das zur Verhütung von Tumulten bei der zweiten Versammlung auf dem Hofe des Jndustriegebäudes zusammengezogene starke Schutzmannsaufgebot angeordnet worden sein. Die „Enthüllungen" boten nichts als dievon den Behörden getheilte Ueberzeugung, daß von anfi]cnnttfd)er Seite trotz aller gegentheiligen Versicherungen eine weitere Aufklärung der traurigen Konitzer Sache nicht gewünscht, vielleicht sogar gefürchtet wird. Die antisemitische Presse läßt keine Gelegenheit vorübergehen, die gewiß keiner besondern Voreingenommenheit für die Juden verdächtigen richterlichen und polizeilichen Behörden, welche sich mit der Konitzer Sache zu befasien hatten, für die Nichtcntdcckung des Mörders verantwortlich zu machen, der aller Wahrscheinlichkeit nach nur den antisemitischen Quertreibereien sein Entkommen verdankt. So benutzten die „Deutsch-Sozialen Blätter" Liebcrmanns von Sonnenberg die Besprechung des noch glücklich vereitelten Versuchs, in Strehlen in Schlesien einen „Ritualmord-Fall" zu konstruieren, um sich auf's Reue in der gedachten Weise über die Konitzer Behörden zu äußern. Die Verfolgungssucht der Antisemiten gegen alle Organe der Behörden, die sich ihrem Terrorismus nicht beugen, hat auch der ehemalige Konitzer Polizeikommiffar Block spüren müssen. Wie die „Volkszeitung" mittheilt, ist dieser Beamte, der in Könitz nach der Ermordung Winters die Leitung der Erekutivpolizei übernahm, dann im Herbst 1900 eine gleiche Stellung in Spandau antrat, mit dem!. Januar 1002 dort wieder ausgeschieden, um in den Pelizcidienft der Rcichslande überzutreten. Die „Volkszeitung" sagt: „Der Beamte hat sich, weil er nicht einseitig gegen die angefeindeten Juden Partei nahm, den Haß der Antisemiten zugezogen, die ihn seitdem unaufhörlich mit Denunziationen schlimmster Art verfolgten. Die von jener Seite gegen ihn erhobenen Beschuldigungen haben vielfach den Staatsanwalt beschäftigt, bis die Untersuchung ihre Haltlosigkeit ergab." Die in den Konitzer Prozessen in geradezu' erschreckender Weise wahrgeuommene Unzuverlässigkeit der Zeugenaussagen hat einzelne Kriminalisten dazu angeregt, den experimentellen Nachweis zu führen, daß kein Durchschnittsmensch im Stande ist, Wahrnehmungen verwickelter Vorgänge objektiv völlig genau wiederzugeben. Der Berliner Strafrechtslehrer Professor F. v. Liszt hat kürzlich im kriminalistischen Seminar nach einem Vortrag über Tarde eine künst-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.