Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-01-01
- Page
- 28 (sequence 4)
- Language
- German
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Ötn deutschen Reich. 8 daß sich Herr von Mosch offenbar befleißigte, dem Grafen Pückler-Klein-Tschirne in Kraftausdrücken gegen die Juden nach besten Kräften nachzueifern. „Kerle" war noch der gelindeste Ausdruck, mit dem er sie bedachte (denn so hat bekanntlich Graf Pückler auch seine Richter betitelt!). Er verschmähte aber auch nicht, von ihnen als einer „verdammten Bande" und von „Judengesindel" u. dergl. zu reden. Auch für Hiebe schwärmte Herr von Mosch. Als er die Affaire des Herrn von Arnim im Reichstage streifte, plaidierte er allen Ernstes dafür, daß diejenigen, die dem von Bebel erwähnten Mädchen eingeredet hätten, daß es nach Einführung der Brotzölle hungern müsse, Hiebe haben sollten, erbärmliche Hiebe! Das zweite Thema, das Herr von Mosch an demselben Abend behandelte, lautete „Deutsche Weihnachten und die jüdischen Waarenbazare". Auch über die Ausführungen dieses Themas durch den Redner erübrigt sich ein Referat." — Wie die Antisemiten es damit und mit dem Schutze des Mittelstandes halten, dessen Angehörige sie vorzugsweise durch allerhand Vorspiegelungen sich tributpflichtig zu machen suchen, ist jedem Unbefangenen klar. In einem Artikel über die Handelskammer zu Berlin schreibt die „Staatsbürger-Zcitg.": „Jenes Waarenhausunwcsen z. B., das fast den gesummten soliden Kaufmannsstand und das Kleingewerbe ruiniert hat, hätte niemals die Ausdehnung gewinnen können, wenn die Acltesten der Kaufmannschaft die schweren Gefahren dieser Entwickelung rechtzeitig erkannt und rechtzeitig davor gewarnt hätten." Dieses Antisemitenblatt, welches fast täglich in gleicher Weise gegen die Waarenhäuser und Großbazare zetert und diese als den Ruin des kleinen Gewerbetreibenden bezeichnet, verschmäht nicht nur die Ankündigungen solcher Waarenhäuser nicht, sondern besteht fast nur noch durch die seitenlangen Inserate von Rudolph Hertzog, H. Jordan, Stiller n. a. m., verherrlicht solche Großbazare ohne Scheu im redaktionellen Theile durch schwungvolle Reklamen und muß sich sogar von der antisemitischen „Deutschen Hochwacht" die Empfehlung der jüdischen Firma „Baer Sohn" vorwerfen lassen, die seltsam genug sich -denen anrerht, welche das judenfeindliche Blatt durch große Inserate über Wasser halten. Immer wenn die antisemitischen Redner und Publizisten durch den „Futterneid" zu Wuthausbrüchen getrieben werden, erfährt das geehrte Publikum, wes Geistes Kinder jene edlen Menschenfreunde sind, die sich ihm als uneigennützige „Kämpfer für die Volkswohlfahrt" beständig anpreisen. Im „Deutschen Volkskunde" richtete dieser Tage der Reichstagsabzeordnete Dr. Böcke! heftige Anklagen gegen die Antisemiten anderer Richtung, wobei er sagte: es sei traurig,