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Im deutschen Reich · 1902-01-01 · Heft 1 (Januar 1902) · p. 27

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 1 (Januar 1902)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1902-01-01
Page
27 (sequence 3)
Language
German
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Umschau 27 goge gespendet und der Präsident Krüger vor längerer Zeit die Ausweisung eines Rabbiners verfügt hat. Seiner Zeit hat zwar Ohm Krüger über die Frage der Anstellung von Juden sich durchaus duldsam geäußert, mit frommen Segenösprüchen auch selbst die Synagoge in Johannesburg eingeweiht, aber diese Thatsachen gelten den Antisemiten weit weniger als das vollgültige Zeugnis; des in der Dresdener Fabrik von Gleß hergestellten Bilderbogens „Der Burenkrieg", zu dem der erfindungsreiche Max Bewer den Text geliefert hat, in welchem schwarz auf weiß die angeblich von dem offiziellen Buren-Dcrtretcr in Brüssel Dr. Leyds beglaubigten Worte stehen: „Die wahren Anstifter des unseligen Krieges sind die Juden." Dieses sich den früheren Erzeugnissen der Gloß'schen Fabrik würdig anreihende antisemitische „Kunstwerk" hat sogar die Dresdner „Deutsche Wacht" zu einem „Satanischer Judenschacher" überschricbenen Leitartikel begeistert, in welchem die „sacra auri fames", die verfluchte Goldgier der „Weltjudcu" als die einzige Ursache von Jamesens Raubzug hiugesiellt, die Verführung des „unschuldigen englischen Volkes" zu dem Burenkrieg aber als ein jüdisches Börsenmanöver bezeichnet wird. Der Artikel, der am Schluß die Worte enthält, „mau versteht nicht, daß sich nicht alle Arme ausstrccken, diese Satanskreaturen herauszureißen aus ihren atlasgefütterten Wagen, sie hineinzusenken da. wo der Sumpf am tiefsten ist", zeigt deutlich, daß der G. E. L. zeichnende Derfasicr zahlreichen Pückker - Vorträgen beigewchnt und die „bilderreiche" Sprache und jenen feinen „gräflichen Humor" abgelauscht hat. gegen welchen sich die Paragraphen des Strafgesetzbuches und die klarsten Rcichsgeiichtsentscheidungen machtlos erweisen! Die Erfahrung, daß Aufreizungen zu Gewallthätigkeiten straflos bleiben, wenn sie in einer bilderreichen Sprache und mit einem Anflug mittelalterlichen derben Volkshumors erfolgen, der selbst die überwachenden Polizeibeamten erheitert, hat sich auch der „Großkophta" des Volksbunds, Hans von Mosch, zu Nutz? gemacht. In einer im Wanzek'schen Saale in Breslau im Dezember veranstalteten autisemitischen Wahlversammlung. in der sich Mosch als Reichstagskandidat für Breslau-West vor stellte, hielt er jüngst einen Vortrag über „den Brotwucher und seine Urheber". Die „Breslauer Morgenztg." berichtete darüber: „Es war vorauszusehen, daß sich die Ausführungen des Redners lediglich gegen die Angehörigen der „eingewanderten fremden Sippschaft" richten würden, die allein als Urheber des Brotwucherö anzusehen seien; denn sie hätten den Zwischenhandel in den Händen und beherrschten die Börse. In allen antisemitischen Reden kehrt dergleichen Unsinn regelmäßig wieder. Erwähnt sei nur,

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