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Im deutschen Reich · 1902-01-01 · Heft 1 (Januar 1902) · p. 22

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 1 (Januar 1902)
Article
Ein Mensch und sein Denkmal
Date
1902-01-01
Page
22 (sequence 3)
Language
German
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22 xjm deutschen Reich. nicht auszuschliesten, der Abschließnng des Bundes trat es entgegen. Vielmehr nicht das Gesetz, das Aus- und Nebenwege offen lieh, die Hoheit der Religion und die Hoheit der Gesinnung traten ihm entgegen." — Auf eine Anfrage, die ich an Erlanger Bekannte richtete, erhielt ich einige nähere Angaben. Die junge Dame, ein ebenso schönes, wie gutes und begabtes Mädchen, war die Tochter eines Gelehrten. Nachdem entschieden war, daß sie einander nicht augehören dursten, vermieden die Liebenden jede persönliche Begegnung und wechselten nur zu bestimmten Anlässen Briefe; daß sie beide unvermählt blieben, schien ihnen selbstverständlich. Erst als Jakob Herz in die Krankheit verfiel, die ihn hinwcgraffen sollte, sahen sie einander wieder; da kam die Dame in sein Hans, übernahm die Pflege und wich nur. noch auf Stunden von seinem Lager. Auf die Nachricht, daß es mit dem „Doktor Herz" zu Ende gehe, fanden sich Hunderte und Aberhunderte m der Straße ein, wo er wohnte; Professoren, Bürger, Studenten, vor allem „seine" Armen; sie konnten ihm ja nicht helfen, aber sie wollten beweisen, wie sehr sie ihn liebten und um ihn in Sorge waren. Verlieh die Dame auf eine Stunde sein Haus, um den Haushalt ihres greisen Vaters zu besorgen, so entblößten die Hunderte lautlos die Häupter, während sie durch die Reihen schritt; nur die Frauen schluchzten ... In ihren Armen ist Herz gestorben . . . Wo das Leben selbst so dichtet wie hier, darf es ihm niemand gleichthun wollen. Ich würde es nie wagen, diesen Stoff zu behaudeln. Noch ein Wort über die Entstehung des Denkmals und seine Bedeutung. Der Plan entstand unmittelbar nach Herz' Bestattung; es war, sagt Brinz, „ein Leichenzug. wie diese Siadt noch keinen gesehen"; nicht Tausende, Zehntausende folgten der Bahre im strömenden Regen nach dem kleinen, entlegenen Judenstiedhof der Stadt. Unmittelbar darauf trat das Komitee zusammen; die beträchtlichen Kosten waren, weil mehrere tausend Menschen dazu beitrugen, sehr bald gesichert; auch hier thaten sich die evangelischen Theologen in erster Reihe hervor. Das Denkmal soll sehr schön sein. „Wenn je ein Denkmal für sich selber sprach, so wird dieses der Erklärung und Rechtfertigung nicht bedürfen. Wenn ein Fremder zu ihm aufblickt, wird er von der Gewißheit erfüllt werden, daß derjenige, dem es gesetzt ist, ein Verehrungswürdiger gewesen sein muffe; so viel tiefe Einsicht und Güte, Gerechtigkeit und Milde trat aus seiner Gestalt zu Tage." Die Bedeutung des Denkmals aber spricht Brinz so schön aus, daß seine Worte hier wiedergegeöen seien: „Herz ist arm, und wenn Sie wollen, unberühmt gestorben. Wir stehen vor einem

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