Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1902)
- Article
- Ein Mensch und sein Denkmal
- Date
- 1902-01-01
- Page
- 21 (sequence 2)
- Language
- German
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Ein Mensch und sein Denkmal. 21 mehr tjat mir erst ein Schriftchen gebracht, das ich gleichfalls meinem freundlichen Korrespondenten danke: die Festrede, die Professor A. v. Brinz, der berühmte Jurist, am 5. Mai 1875 bei der Enthüllung des Herz-Denkmals hielt. Herz, der aus armer Familie stammte, erwies schon früh, daß er „das Material zum Gelehrten und Literaten ersten Ranges in sich trug," zudem war er auch „ein Meister in der anschaulichen Darstellung der oerwickeltsten Verhältnisse des menschlichen Körpers." Gleichwohl konnte er es erst 1847 zum Prosektor bringen, erst 1862 wurde er Privatdozent mit dem Titel eines Professors, erst 1869 ordentlicher Professor. Achnliches begicbt sich auch heute noch, und heute erst recht: zwei Umstände aber sind mit Recht einzig zu nennen. Unter denen, die unermüdlich, mit allem Gewicht ihres Einflusses für Herz eintraten, stand die evangelisch-theologische Fakultät zu Erlangen, bekanntlich immer eine sehr konservativ gesinnte, in erster Reihe; gerade diesen strenggläubigen Ehristen erschien es ein für ihre Empfindung kaum erträgliches Unrecht, daß jemand um feines Glaubens willen leiden solle; hauptsächlich der Wucht ihrer etbischreligiösen Argumente ist es zu danken, daß Herz, wenn auch erst drei Jahre vor seinem Tode, schließlich doch Ordinarius wurde. Einzig ist aber auch die Art, wie Herz die Zurücksetzung trug; er tbat nie auch nur das Geringste für sich. „Die Tugend der Selbstlosigkeit schien sich bei ihm wie von selbst zu verstehen." . Ihm genügte fein Loos, neben seinem Lehramt die Praris. Und wie übte er sie aus'. „Er hals, um zu helfen. Möglichst viel zu geben, möglichst wenig zu nehmen, war bei ihm Sache der Neigung, nicht des Entschlusses." Das Lehramt, die Armenpraxis ließen ihn zur Abfassung großer wissenschaftlicher Werke nicht kommen. Glänzende Anerbietungen von auswärts traten immer wieder an ihn heran; er lehnte sie ohne jedes Besinnen ab. „Sein Erlangen gewährte ihm alles, dessen er bedurfte: Schüler, die er lehren, Kranke, die er heilen, Arme, mit denen er theilen, Freunde, denen er vertrauen, Bürger, auf die er wirken konnte." Auch die damals allgemein bekannte Herzensgefckichte, auf die mein liebenswürdiger Korrespondent anspielt, wird von Brinz gestreift: „Der Zauber eines weiblichen, den Himmel aus reiner Tiefe wiederfpiegelnden Gcmüths hat in feine jungen Jahre geleuchtet. Religion und Poesie erfüllen eine hinterlassene Korrespondenz. Was von Seiten des Herzens zum beglückenden Bunde nothwendig war, lag alles bereit in ihm, für ihn. Allein vermochte das Gesetz die Eintracht der Seelen