Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1902)
- Article
- Das Rabbinerkolleg in Italien
- Date
- 1902-01-01
- Page
- 14 (sequence 7)
- Language
- German
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14 Im Deuitcbeii Rnct. sie auf in er oder fünf herabsank, welche nur die untere Klasse zu besuchen imstande waten. Für die höheren Kurse fand sich kein einziger. Die Repräsentantenversammlung der' jüdischen Gemeinde Roms konnte diesem Zustande gegenüber nicht theilnamslos bleiben, weder durch Schweigen noch durch Unihätigkeit. So kam es denn im April 1896 zu einer Verhandlung, in welcher Ritter Prato, eines der angesehensten Mitglieder der Versammlung, die Kollegen um ein entscheidendes Votum und um energische Maaßregeln ersuchte. Der Vorstand erhielt den Auftrag, der auch von ihm angenommen wurde, die geeignetsten Mitte! auszusinnen und vorzuschlagen, um einem Zustande abznhelsen, welcher von allen beklagt und als unerträglich anerkannt wurde. Zu diesem Zwecke ward eine besondere Kommission ernannt, deren Seele Ritter Adolf Coen war, ein äußerst tüchtiger Mann, der als Vorstand des sten0' graphischen Bureaus der Deputiertenkammer von Florenz nach Nom gekommen war. In einem klaren und sorgfältig ausgearbciletcn Berichte hielt sich Herr (5oen von jeder Illusion fern; das Nebel war zu schwer, als daß es von Heilmitteln eine Wirkung erhoffen ließe. Die Auslosung d.s Kollegs schietl unvermeidlich und unmittelbar bevorstehend. Inzwischen traf aus Florenz eine ebenso wichtige wie unerwartete Nachricht ein. Der dortige Rabbiner Margnglies, welcher seinem Verstände, seiner Einsicht, seiner religiösen Nächstenliebe nach den wahren Typus eines mcdetnen israelitischen Seelsorgers personifictcrt, hatte mit den geringen Mitteln, die ihm die Florentinische Gemeinde gewähren konnte, eine hökere Thora-Talmudschnle errichtet, in ähnlicher Absicht wie sie früher in Padua und später in Rom bestanden hatte. Nachdem der Unterrichtsausschuß der Florentiner Repräsentanten, ans den intelligentesten und gebildetsten Elementen bestehend, das Werk des Rabbiners Margnglies einer Prüfung unterzogen hatte, berichtete er darüber unter Anerkennung seiner Beweggründe und seiner Erfolge an die Reprüsentantenversammlung. Es erstand somit in Florenz von neuem, was in Rom im Absteröen begriffen war. Und man gelangte von selbst und ganz natürlich zu dem Gedanken, dies unerwartet aufgegangene Licht zu benutzen, einen kühnen Schritt zu wagen und sofort zu untersuchen, ob und wie man das Rabbinerkolleg von den Ufern des Tibers an die des Arno verlegen könne. Die Aufgabe war keine leichte. Man mußte von der israelitischen Gemeinde Roms einen Beweis außerordentlicher Entsagung verlangen, daß sie sich darin ergab, nach so vielett Opfern, welche sie