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Im deutschen Reich · 1902-01-01 · Heft 1 (Januar 1902) · p. 13

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 1 (Januar 1902)
Article
Das Rabbinerkolleg in Italien
Date
1902-01-01
Page
13 (sequence 6)
Language
German
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Das Siabbiimfolkc* in Italien. 13 Kraft zur Verfügung. Indem er mir dem alten Glauben den ganzen Eifer des modernen Geistes vereinigte, ließ er bei Ausübung seines schwierigen Amtes nichts Zu wünschen übrig. Baron Trcves garantierte als Schatzmeister durch seinen Namen und seine That für die Verwaltung. Und doch zeigte nur allzu schnell die Erfahrung, daß das Problem in Rom nicht glücklich gelöst war: Die Praris verdunkelte durch ihre Prosa die ganze Poesie einer edlen Idee. Es fehlten die Schüler! Man versuchte auf jede Weise die Familien des ganzen Königreichs dazu heranzuziehen, daß sie sich diese große Straße, welche sich für die Zukunft der israelitischen Jugend eröffnete, zunutze machten. Die Familien waren gleichgültig und blieben auch den dringendsten Aufforderungen gegenüber Laub- Die Ausgaben für die Schule waren bedeutend und doch leider unberechtigt. Die Schüler, welche man mit Mühe erlangte, bestanden aus den jungen Leuten, welche Rom liefern konnte, ein Kontingent, das natürlich spärlich und mangelhaft war; spärlich, weil eine einzige Stadt nicht für eine Schule, die für die ganze Nation bestimmt war, ausreichen konnte, mangelhaft, weil die gewonnenen Schüler fast ausschließlich aus der Thora-Talmudschule kamen, wo man keinen höheren Unterricht ertheilte, und wo man nicht denjenigen Bildungsgrad erwerben konnte, den das Kolleg ferner 'Natur und seinen Statuten, feinem Ansehen und seinem Prestige nack zu verlangen hatte. Wie erklärt fick diese herbe Enttäuschung? Vielleicht hielten sich viele italienische Familien davon zurück, ihre Söhne nach Rom zu schicken aus Furcht vor den bedeutenden Ausgaben oder den großen Verlockungen einer Hauptstadt. Vielleicht und wohl in nicht allzu ft.tcnen Fällen kamen die jungen Leute nach Rom, um sich dem Rabbmat zu witmen, aber wenn sie dann das Doktor- oder ein anderes Diplom erlangt hatten, machten sie lieber von diesem Gebrauch, um sich anderen Laufbahnen zu widmen oder sofort in lohnende Aemter zu treten. So vre! ist gewiß: es verschwand der erste oder doch der Hauptgrund für die Erisrcnz des Kollegs, welches das fruchtbare Treibhaus gelehrter Rabbiner für ganz Italien weder war, noch zu werden vermochte. Die Schaubühne war prächtig, aber das Publikum hielt sich fern davon. Anderes Unbeil kam dazu, um die an sich schon schwierige Lage noch zu verschlimmern. Samuel Alatri starb zur allgemeinen Betrübniß, ehe er seine Mission für die Israeliten Roms beendet hatte. Der Rabbiner Ehrenreich, schon alters- und arbeitsmüde, mußte aus Gesundheitsrücksichten auf seinen Lehrstuhl Verzicht leisten. Auf diese Weise trat im Laufe weniger Jahre ein derartiger Rückgang in der Schülerzahl ein, daß

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