Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1902)
- Article
- Das Rabbinerkolleg in Italien
- Date
- 1902-01-01
- Page
- 12 (sequence 5)
- Language
- German
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12 deutschen Reich. Zeit als der Antisemitismus bereits begann, seine unheilvolle Stimme in Europa hören zu lassen, konnte man ihm keinen härteren Schlag versetzen, als den, ein Seminar der Juden im Mittelpunkt der katholischen Welt zu errichten. Der Vorschlag Samuel Alatris wurde einhellig gut geheißen: Rom ward als erwählter Sitz des neuen Instituts begrüßt, welches den Namen Italienisches Rabbinerkolleg annahm. Man rief die Mitwirkung aller Städte an, und die Antworten waren übereinstimmend und hochherzig. Immerhin war die Arbeit weder leicht noch kurz. Man sammelte Gaben jeder Art, wobei sich die hervorragendsten Familien auszeichneten: der Baron Franchetti in Venedig, der Senator Massarani in Mailand, Eastelfraneo in Modena und andere, dem Namen, der Gesinnung, der religiösen, moralischen und bürgerlichen Wcrkthätigkeit nach gleich oder ähnlich geartete Glaubensgenossen. Auf diese Weise wurde ein Fonds gebildet, der hinreichte für die nächsten fünf Jahre, während man für die Zukunft auf die stetige Gunst der inländischen Glaubensgenossen rechnete. Der edle Wunsch wurde am!ü. Januar 1887 erfüllt. An jenem Tage wurde im Haupttcmpe! Roms mit großer religiöser Feierlichkeit sowie unter Bctheilignng der städtische, Provinzial- und Staatsbehörden die Einweihung deo neuen Kollegs vollzogen. Wer an die Jahrhunderte langen, schmerzlichen Verfolgungen, welche die Juden unter der Härte der weltlichen Ge- Walt der Päpste zu erleiden hatten, zurückdachte, konnte nicht umhin, eine Zeit zu preisen, die eine so denkwürdige Eroberung aus dem Gebiete des Fortschrittes und der Bildung, im Schatten der Freiheit und in nächster Nähe des Vatikans gestattete. Doch die Freude war von kurzer Tauer. Die Mühe so vieler ausgezeichneter Männer sollten nicht nach ihren: Verdienste belohnt werden. Das Institut entsprach nicht den vielleicht übertriebenen Hoffnungen, die sich daran geknüpft hacken. 'Die zu feiner Leitung, Verwaltung und zu seinem Unterhalt getroffenen Anordnungen waren ausgezeichnet. Die zu seiner Leitung berufenen Personen hätte man nicht besser wünschen .können. Eine besondere Vorstandsversammlung leitete unter ständiger Ueberwachung seitens der israelitischen Gemeinde Roms den Gang der Schule.. An Geld fehlte es nicht. Anfangs machte Samuel Alatri, obwohl bereits alt, das Institut zum Gegenstand seiner frommen Bemühungen. Der Rabbiner Ehrenreich, welcher an der Spitze des Unterrichts stand, stellte ihm alle Schätze seines Geistes, seiner Gelehrsamkeit, seiner