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Im deutschen Reich · 1902-01-01 · Heft 1 (Januar 1902) · p. 6

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 1 (Januar 1902)
Article
Parität
Date
1902-01-01
Page
6 (sequence 6)
Language
German
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deutschen Reich. daß sie bescheidene, tüchtige Beamte sind, die der Verwaltung nie Schwierigkeiten machen. Aber — die Volksstimmung, deren Barometer Or. Heim stets bei sich hat, ist unangenehm berührt, und das ist die Hauptsache. Der neue Retter des Vaterlandes stellt nun einen Antrag, daß die Paritat gewahrt bleiben möge. In der Kommission sträuben sich noch viele Volksvertreter dagegen, und der Justizminister führt eine energische Sprache tm Namen der Verfassung. Der Antrag wird also mit Stinunengleichheit abgelehnt. Nun soll die Sache ins Plenum kommen. Inzwischen aber sucht I)r. Heim den mit mehr als einem Tropfen antisemitischen Ocls gesalbten Fraktionsgcnossen das neue Gericht als recht schmackhaft darzustellen. Du lieber Gott, man verlangt ja keine Zurücksetzung der Juden, nur-Parität, daö ist doch nicht mehr als billig. Freilich kennte man dieses Prinzip auch gegen die Protestanten in Bayern verbringen, aber — ja Bauer, das ist etwas anderes. Das Zentrum also wird gefügig. Der Herr Justizminister sucht anfangs noch von Prinzip zu sprechen und zeigt einiges Widerstreben, aber es ist eigentlich nur wie bei mancher modernen Dame -- ein Kokettieren mit der Schamhaftigkeit. Liebenswürdig, wie ein Minister einmal ist, versichert er zum Schluß, daß er der „Stimmung der Bevölkerung" Rechnung tragen wird. So geht die Sache im Landtage durch, und ob der Antrag Gesetz wird oder nickt, — dessen dürfen wir sicher sein, in den nächsten Jahren werden nicht zu viele jüdische Assessoren befördert werden. Die Parität ist nun gerettet. Herr I)r. Heim, der strenge Paritätsmann, wird wohl nächstens — das erwarten wir mit Bestimmtheit — einen Antrag stellen, daß der Kriegsminister dafür sorgen möge, daß ja möglichst bald so viele jüdische aktive Offiziere angestellt werden, wie dem Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung entspricht. Oder sollte hier die Pantätswnth versagen Y Dock, bleiben wir ernst, wie schwer es auch gegenüber dieser Komödie fällt. Ist es nicht tief beschämend, daß man es sogar im freien Bayern wagt, solche Dinge der Bevölkerungzn bieten? Ist wirklich der Geist der Verfassung gänzlich in Vergessenheit gerathen, daß man sich erkühnt, mit solchen sophistischen Auslegungen das Recht zu verhöhnen? Haben die Juden in Deutschland dazu hundert Jahre um ihre Befreiung gekämpft, um eine papierene Gmanzivation zu bekommen, der die Wirklichkeit konträr gegenübersieht? Verhehlen wir uns nicht: die Situation ist sehr ernst- Ueberall zeigt sich dasselbe Bestreben, die Rechte der deutschen Bürger jüdischen Glaubens illusorisch zu machen und ihnen durch Hinter.

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