Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1902)
- Article
- Parität
- Date
- 1902-01-01
- Page
- 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Panttst. 7 Lhüren und jämmerliche Machinationen das zu rauben, was sie sich im schweren langen Kampfe errungen haben. In einem Bundesstaate sotten dreierlei Listen über die Justizanwärter, eine weiße für „arische Christen", eine graue für getaufte und eine schwarze für nicht getaufte Juden geführt werden. In Hessen wird das Prinzip der Gleichberechtigung durch schöne Resolutionen gewahrt, nur daß die Praxis der Theorie nicht entspricht. Und im fröhlichen Bayern sotten die Juden paritätisch behandelt werden. Da gilt es, nicht zu schweigen und sich resigniert Zurückzuziehen, sondern laut die Stimme zu erheben und gegen diese schreiende Ungerechtigkeit zu protestieren. Sonst könnte es leicht kommen, daß die christliche Bevölkerung mit der Zeit die Thatsache der Emanzipation ganz vergißt und uns noch für Schutzjuden hält. Es giebt thatjächlich nichts Schlimmeres als dieser unter der Maske der Gerechtigkeit schleichende praktische Antisemitismus, der das öffentliche Leben beeinflußt und die bürgerliche Gesinnung vergiftet. Diesen zu überwachen, wo er sich geltend macht, ist eine der vornehmsten Aufgaben der zielbewussten organisierten Judenheit. Wir leben in einer Zeit, wo die größten politischen Erfolge durch die Luttgenkrast erlangt werden, wo die Kunst des Schreiens bis zur höchsten Virtuosität ausgcbildet ist. Da wäre es schlecht angebracht, wenn die jüdischen Bürger aus einer falsch verstandenen Bescheidenheit schwiegen. Der neue Anschlag gegen unsere Gleichberechtigung muß mit aller Entschiedenheit abgewchrt werden. Diese Herren, die salbungsvoll von Freiheit und Gerechtigkeit sprechen, und in Wirklichkeit diese Güter nur für sich beanspruchen, sind weit gefährliches als die offenen Antisemiten. Mögen sie nur drohen; uns können sie nicht cinfchüchtern; je mehr sie Farbe bekennen, desto besser für uns. Wir Juden gönnen jeder Rcligiousgesellfchaft die weitgehendste Freiheit und mischen uns nicht in fremde religiöse Fragen. Wo aber Frömmler und Rückschrittler uns politisch cntgegentrcten und unser gutes Recht verkümmern, da müssen wir uns wehren. Das gebieten uns unsere Ehre und die Sorge um unsere Zukunft. Den Juden wird jede Reaktion am leichtesten gefährlich, weil die angcerbtcn schlimmen Neigungen der Massen diese den Theorieen der Tborheit und der Bosheit leichter zugänglich machen. Unser Lebenselement ist der Fortschritt. -2K