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Im deutschen Reich · 1902-01-01 · Heft 1 (Januar 1902) · p. 5

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 1 (Januar 1902)
Article
Parität
Date
1902-01-01
Page
5 (sequence 5)
Language
German
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Parität. 5 Theilnahme an der Kultur, dann sind dir Juden in Deutschland zweifellos assimiliert. Aber für gewisse Kreise fängt die Assimilation erst mit der Taufe an, und ihnen schwebt so eine nebelhafte Amalgamierung vor, etwas, was undurchführbar ist und nie die Aufgabe eines Staates sein kann. Ja, viele deutsche Staaten setzen eine Prämie auf die Charakterlosigkeit aus und nehmen die Abtrünnigen unter ihre Fittiche, während sie die überzeugunzstreuen Israeliten vom Amte zurückweisen. Für die getauften Juden scheint man allerdings ein paritätisches Herz zu haben. Wir haben niemals verlangt, daß die Zentrumspartei, die die Parität zur Staatsmanns erhoben bat, sich über die Ungerechtigkeit, die uns zugesügt wird, in jedem Falle entrüste und für uns eintrete. Wenn aber das Zentrum in Bayern plötzlich gerade da, wo die Juden zufällig einige Beamten mehr haben, eine -Parität nach unten gegen uns und nur gegen uns fordert, fo beleuchtet das seine ganze Politik mit Röntgen-Strablen. Es gab eine Zeit, wo man in freisinnigen und demokratischen Kreisen Deutschlands auf das Zentrum hoffte und glaubte, daß man eine Strecke Weges gut mit ihm zusammen gehen könnte. Heute wissen wir, was wir von dem rechten Flügel dieser Partei zu erwarten haben, die Reaktion, ja die gefährlichste, weil mit Religion und Fanatismus gepaart. Ein ausgezeichneter Beitrag zur Psychologie des Zentrums waren die jüngsten Judendcbatten im bayerischen Landtage. In Bayern glaubte man bis jetzt an die wirtlicke Durchführung der gesetzlichen Gleichberechtigung, weil die Könige und die Negierung stets bemüht waren, auch die Israeliten als vollberechtigte Bürger zu behandeln. So wurden ans ihren Reihen auch Beamte anzestellt, ohne daß man sich erst nach dem Prozentsatz der Bevölkerung erkundigte. Und die Säulen des Staates wankten nicht und die Regierungsmaschine ging ganz gut. Da entdeckte plötzlich der Zentrumsabgeordnete Or. Heim, dan die Juden unter den bayerischen Richtern mit 2,8 Prozent vertreten sind, während sie nur 1 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Er entdeckte selbstredend zugleich, daß dieses „eine Mißstimmung in den weitesten Schichten des Volkes hervorruft." Daß er diese Wahrnehmung erst machte, nachdem er — wie man sich erzählt — im Gerichtsjaale von einem jüdischen Richter energisch Zurechtgewiesen worden war, — das ist natürlich nur Zufall. Der Zufall spielt ja in antisemitischen Dingen immer eine große Rolle. Es ist jedenfalls gut, daß diese schrecklichen Mißstände erkannt worden sind. Man denke, 21 jüdische Gerichtsbeamte, welch' eine Gefahr! Freilich muß ihnen der Justizminister das Zeugniß ausstellen,

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