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Im deutschen Reich · 1901-12-01 · Heft 12 (Dezember 1901) · p. 706

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 12 (Dezember 1901)
Article
Theodor Franzen [Rezension]
Date
1901-12-01
Page
706 (sequence 7)
Language
German
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706 Fm deutschen Reich. Förster, im Jahre 1791 in seinen „Ansichten vom Niederrhein" den Eindruck, den Köln auf ihn gemacht hatte, das 6 Jahrhunderte früher als die schönste, reichste und größte Stadt Deutschlands bezeichnet wurde, mit folgenden Worten: „In Köln sollen viele reiche Familien wohnen; allein das befriedigt mich nicht, solange ich auf bcn Straßen Schaaren von zerlumpten Bettlern herumstreichen sehe. So oft ich hingegen nach Frankfurt komme, weide ich mich mit herzlichem Genuß am Anblick des gemeinen Mannes, der fast durchgehcnds geschäftig, reinlich und anständig gekleidet ist." Später nennt Förster noch die Mehrheit der Bewohner Kölns „träge, unwissend und abergläubisch". Diese Worte Försters sollten Antisemiten aus Ueberzeugung -- Geschäftsantisemiten belehren Zu wollen, wäre vergeblich — zum Nachdenken veranlassen. Wie mag cs wohl zu jenem Gegensätze zwischen Frankfurt a. M., aus dem die Juden nie für längere Feit vertrieben waren, und Köln gekommen sein? Auch wenn wir uns den Unterschied der wirthschaftlichcn Lage jener beiden Orte um die Wende des 18. und 19. Jahrhunderts nicht gerade in erster Linie ans ihrem verschiedenen Verhalten zu nnfcrcn Glaubensgenossen erklären, so müssen wir doch sagen, daß cs der Unterschied zwischen Toleranz und finsterster Unduldsamkeit ist, deren entgegengesetzte sociale Wirkungen hier deutlich erkennbar sind. Erst als Köln wieder tolerant wurde, ist es auch allmählich wieder zu einer Bevölkerung gelangt, welche an Fleiß und Wohlhabenheit hinter der anderer deutscher Städte nicht zurückblcibt. Und jetzt preist ein Mann die Intoleranz, der selbst auf S. 2 seines Buches in gemeinster, hier nicht wicderzugebender Weise die „Erzväter" beschimpft, die trotz ihrer Fehler mit Recht von Geistlichen und Lehrern aller in Deutschland lebenden Glaubensgemeinschaften ihres Gottvcrtraucns wegen als Muster gepriesen werden. Wahrlich, lebte Frauzen in der von ihm gepriesenen Zeit des 16. —18. Jahrhunderts, fo hätte ihn sicher für solches Neligionsdclict Auspeitschung oder Verstümmlung getroffen! Nicht unerwähnt will ich (affen, daß Franzen die Geschichte der Kölner Juden bis auf die jüngste Zeit fortführt. Bei den dieser gewidmeten Abschnitten dürfte er entweder einen stilistisch gewandteren Mitarbeiter gehabt oder ein anderes antisemitisches Werk abgcschrreben haben. Wenigstens weist darauf die Art, wie er den jetzt in Köln lebenden Schlächtermeister Buschhoff aus kanten, der bekanntlich der Tödtung eines vierjährigen Knaben zu Unrecht bezichtigt wurde, und

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