Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1901)
- Article
- Theodor Franzen [Rezension]
- Date
- 1901-12-01
- Page
- 705 (sequence 6)
- Language
- German
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Bücherschau. 70 j S. 9. S. 10. „Nun ist es niemals jemand „Kaiser Heinrich IV gestattete eingefallen, die Juden mit Gewalt den gewaltsam Getauften die taufen zu wollen (abgesehen von | Rückkehr zu ihrem früheren dem Vorgehen einzelner Faj Glauben." natiker)." '; Hält Franzen seine Leser für so dumm, daß sie bei der Lektüre von S. 10 schon den Unsinn vergessen haben, den er S. 9 behauptet? Uebrigens berichten die angesehensten christlichen Schriftsteller des Mittelalters, ein Gregor von Tours, Ekkehard, Sigebert, die Würzburger Annalen rc. von zahlreichen Fällen, in denen die Juden nur die Wahl zwischen Tod oder Verbannung einerseits, der Taufe andererseits hatten?) Recht schön ist es auch, wie Franzen den Juden vorwirst, daß sie eine andere Beschäftigung als Wucher — außer etwa Kurpfuscherei — nicht ergreifen mochten. Wie wenig dies für die ersten Jahrhunderte des Mittelalters zutrifft, haben wir schon gesehen; daß von den Juden der Neuzeit, sobald ihnen andere Gewerbe gestattet wurden, sich stets ein großer Theil diesen zuwaodte, bedarf keines Nachweises. Nur darauf sei hingcwiesen, daß es doch, gelinde gesagt, etwas cigcnthümlich ist, die Beschäftigung der Juden mit Medicur als „Kurpfuscherei" zu bezeichnen. Sonderbar doch, daß so viele Papste und Bischöfe, Könige und Fürsten Leben und Gesundheit „Kurpfuschern" anvertraut haben.-) Oder trifft bei diesem Pfuscher in der edlen Historia einfach bezüglich der Wissenschaft und Kunst der Medicin das Sprüchwort zu: „Was ich selber treib' und thn. traue ich auch andern zu?" Die Zeit von 1425—1797, in welcher die Juden Köln nicht betreten dursten, wird von Franzen iS. 2) als die „große" bezeichnet; doch erklärt er (S. 55) von dem Ende jener Periode in seinem schlechten Deutsch, daß die Stadt damals ihren „tiefsten wirthschaftlichen Stand erreicht hatte." Wenn nur der zehnte Theil von dem wahr wäre, was Franzen und Censorten über die Ausbeutung des Volkes durch unsere Glaubensgenossen faseln, müßten sich doch damals in Köln, das 3^ Jahrhunderte völlig „judenrein" gewesen war, alle Bevölkerungsschichten des größten Wohlstandes erfreut haben. Jndeß schildert ein trefflicher Beobachter, der bekannte Schriftsteller Georg *) S. Aronius, 30, 38, 52, 160, 203 rc. 2) Vgl. Lamprecht a. a. £>., S. 1452, Note 9. Aronius Nr. 80, rar, 222 rc.