Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1901)
- Article
- Theodor Franzen [Rezension]
- Date
- 1901-12-01
- Page
- 704 (sequence 5)
- Language
- German
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70 l Im deutschen Reich. christlichen Deutschen ihres Glaubens wegen verfolgt wurden, und tausende christlicher Frauen als Opfer des Hexenwahns ihr Leben auf dem Scheiterhaufen verloren. Doch kehren wir zu Franzen zurück. Gewiß fehlt seinem Werke jede Spur von Humor, da man es doch nicht als Humor betrachten kann, daß er S. 35 den Unwillen, der sich in der jüdischen Gemeinde über charakterlosen Rcligionswechsel erhob, sehr geschmackvoll als „Gesaires" bezeichnet. Mein die Art, wie der Autor häufig sich selbst widerspricht, und die Willkür, mit welcher er aus der Litleratur das Material für seine Verleumdungen fabrieicrt, ist vielfach unfreiwillig komisch. Wenn Stolle, ein frommer und eben deshalb auch gerecht denkender christlicher Schriftsteller erwähnt, daß Karl der Große „die Rührigkeit und Gewandtheit der Juden wohl zu schätzen und für das Gedeihen reines Reiches zu verwertheu wußte", so macht Franzen deshalb den Jude'-, den Vorwurf, daß sie cs „vorzüglich verstanden, ihren Rücken vm den Großen dieser Erde zu krümmen". Ein Theil der Schriflsteller, die Franzen auoschreibk, beuchtet, daß aus Anlaß des ersten Kreuzzuges 1090 viele Juden in f?cln getffctet seien; ein jüdischer ebenfalls von Frauzen ansgeschlachtcter Schriftsteller hingegen nimmt, auf hebräische Quellen gestützt, an, daß damals die Gefahr an der großen Mehrzahl unserer Glaubensgenossen vorübnging, da christliche Bürger sie in ihre Häuser ausnahmen und beschützten. Das wird in der That von einer Anzahl jüdischer nnb christlicher Quellen ans dem Ende des elften Jahrhunderts, wie jetzt längst festgestellt istr), übereinstimmend berichtet, während nur ein einziger Autor, der ein volles Jahrhundert später schreibende Aachener Canouicus Albert, das Gegeutheil behauptet. Franzen aber macht hierüber folgende kluge-Bemerkung: „Ueberdies darf man'nicht vergessen, daß die ans uns gekommenen Berichte über Judenverfolgungen von diesen selbst" (so! er meint natürlich von den Juden) „in der schlauen Absicht, für sich selbst Mitleid und Sentimentalität zu erregen, gefälscht und stark übertrieben worden sind." (S. 10). Der Aachener Canouicus Albert müßte danach ein Jude gewesen sein! Gerade die jüdischen Quellen des 12. Jahrhunderts sowie die modernen jüdischen Gelehrten Wenden und Aronius sagen das Richtige! Großartig ist auch die Flüchtigkeit, tte Franzen auf zwei aufeinander folgenden Seiten 9 und 10 gerade das Gegenthcil behaupten läßt: i) Vgl. AromuS Regesten zur Geschichte der Juden im fränkischen und deutschen Reiche, Rr. 1 hh.