Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1901)
- Article
- Theodor Franzen [Rezension]
- Date
- 1901-12-01
- Page
- 703 (sequence 4)
- Language
- German
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Dücherschau. 703 Handwerke erlaubt gewesen wäre. (Sine Reihe vorzüglicher christlicher Geschichtsforscher, z. B. StobbeZ, Lamprecht^), von Jnama- Sternegg^), hat längst unter Anführung zahlreicher Quelleustellen gezeigt, daß die Juden in der ersten Hälfte des Mittelalters, wo sie in Deutschland nachweisbar sind, sich mit dem Importe orientalischer Waaren, daneben auch mit Metiein, Handwerk und Ackerbau leschäftigtcn, daß sie aber dann auf den „Viehhandel, den Kleinhandel im Umherz'ehen, den Geldhandel und kurze Eweditgescbäfre" beschränkt wurden. Die Gründe dieser Entwicklung sind von den genannten und anderen Forschern auch schon längst tlargestellt. Tie Handelskor poratiouen und Innungen, deren Mitgliedschaft zum Betriebe fast aller geachteten Erwerbszweige uöthig war, versagten den Juden den Beitritt, und andrerseits zwangen auch die häufigen Verfolgungen die Juden, ihr Vermögen möglichst mobil zu machen. Dazu kam daun noch das kanonische Zinsverbot, welches nur den (Christen untersagte, Geld gegen Zins auszuleihen, die Juden also zu derartigen Ereditgeschäst.n geradezu veranlasse. Auch die Ursachen, aus denen die christliche Bevölkerung dem Juden so abgeneigt wurde, daß« sie ihm allen anständigen Erwerb versagte und so seinen Eharakter selbst verschlechterte, können denkenden Betrachtern der mittelalterlichen Geschichte nicht verborgen sein. Im dreizehnten Jahrhundert vollzog sich ein Umschwung in der Weltanschauung der christlichen Gelehrten, der recht bald auch auf die regierenden Kreise und die Volksmassen einwirkte. Hier sei nur wicdergcgeben, was ganz neuerdings ein hervorragender christlicher Geschichtsforscher, der sich übrigens auch um die Aufhellung der Kötner Vergangenheit sehr verdient gemacht hat, Joseph Hansens, von der Zeit des 13. unb 14. Jahrhunderts sagt: „Der Sinn für Naturforschung erlahmte, und an ihre Stelle trat die theologische Spekulation. Das theologische Gespinst aber legte sich immer dichter und fester um den Geist und störte immer empfindlicher den freien Ausblick." Hausen zeigt auch, wie diese Veränderung den Greuel der Herenpreecsse bewirkte-), welche erst im 17. und Id. Jahrhundert mit Erfolg bekämpft wurden. Ganz sicher ist es aber kein Zufall, das; die Zeit der ärgsten Bedrückungen der Juden in Deutschland dieselbe ist, in denen auch viele tausende von 1) Die Juden in Deutschland während des Mittelalters, S. 7, 103, 104. 2) Deutsches Wirihschastslcben I., S. 1452, 1453. 8) Deutsche Wirtschaftsgeschichte II! z, S. 477. 1) Zaubawahn, Inquisition und Hexenproceffe im Mittelalter (1900), S. 150. 151. 2) a. a. O. besonders, S. 187.