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Im deutschen Reich · 1901-12-01 · Heft 12 (Dezember 1901) · p. 702

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 12 (Dezember 1901)
Article
Theodor Franzen [Rezension]
Date
1901-12-01
Page
702 (sequence 3)
Language
German
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702 Im deutschen Reich. wird .... in allen Tonarten der Gedanke variiert, die etwaigen Fehler des Judenvolkes seien nur durch jahrhundertelange Unterdrückung entstanden. Nach dieser Richtung hin wird versucht werden, den direkten Gegenbeweis zu liefern." Auch der Verleger der Schrift preist das Werk in folgenden Worten, die zwar furchtbaren Unsinn, aber nicht wie die Franzen's, auch grobe StilwidrigkeiLcn enthalten: „Durch vollgültige historische Belage räumt der Verfasser mit dem albernen Märchen auf. daß die Schlechtigkeit der Juden erst durch deren sogenannte Bedrückung herbeigeführt sei, und weist nach, daß der Judcnwucher einige Abwehrmaßregeln nöthig machte. Bei dem großen Mangel historischer Werke über das Jndenthum d. h. solcher in deutsch - nationalem Sinne, füllt das Schriftchen wohl eine Lücke aus." Leider rief die antisemitische Bewegung schon ziemlich viele historische Werke hervor — sie zu nennen, habe ich keine Veranlaß ung — in denen die Verfasser bewußt oder unbewußt ihrem Hasse gegen uns Luft gemacht haben. Es ist auch durchaus nicht die gröbste Ignoranz des Herrn Frauzcn, daß er di se Schriften offenbar nicht kennt. Es liegt in dem Plaue, der mit der Begründung dieser Zeitschrift erfolgt wurde, die Jrrthümlichkeit der uns oft in wissenschaftlichen Werken gemachten Vorwürfe zu beweisen, damit solche Forscher, welche sich von dem Grundsätze „audiatur ct altera pars“ leiten lassen, das richtige Urtheil besser finden können. Allein, wie man antisemitischen Gelehrten, selbst solchen, bei denen der Antisemitismus stärker als die Wahrheitsliebe ist, Unrecht thäte, wenn man sie in Wissen und Fleiß mit Herrn Franzen auf eine Linie stellte,, so hieße es diesem wahrlich zu viel Ehre anthnn, wenn ruan daran dächte, auch nur einen kleinen Theil feiner wirren Ausführungen zu widerlegen. Worin bestehen z. B. die „vollgültigen historischen Beläge", in denen Franzen mit dein angeblichen „Märchen" aufräumt, „daß die Schlechtigkeit der Juden erst durch deren sogenannte Bedrückung berbeigesührt sei?" Er sagt S. - „Trotzdem mit Ausnahme des Weinhandels jedes Geschäft den Juden offeustand, beschränkten sie sich lediglich auf das eigentliche Geld- und Pfandleih-Gefchäft, das ihnen am mühelosesten reichen Gewinn abwarf." Da Franzen hier allen Schriftstellern widerspricht, aus deuten er seine Kenntnisse bezogen hat, so hätte er beweisen müssen, daß den Juden in der zweiten Hälfte des Mittelalters, von der er an jener Stelle spricht, etwa der Handel mit Tuchen oder der mit Specereien, oder der Betrieb irgendwelcher

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