Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1901)
- Article
- Berlin
- Date
- 1901-12-01
- Page
- 679 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2316602-2316676-2316688-2328768--08939-2328865- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Korrespondenzen. 679 Personen mit unbekanntem Religionsbekenntnisse 135 betrug. Dagegen betrug während des Jahrfünftes 1890—95 die jährliche Zunahme vom. Tausend der ortöanwesenden Personen 12,4, der Evangelischen 11,4, der Katholiken 14,2, der anderen Christen 45,7, der Juden 4,1 und der Bekenner mit anderem oder unbekanntem Bekenntnisse 21,1. Der aus die Juden entsallende Antheil hat sich im Verhältniß zur Gesammtbevölkenmg beständig vermindert. Er betrug 1880 13,33 \\ T., 1885 12,94, 1890 12,42, 1895 11,92 und 1900 11,4 V. 2* Die ausfallend geringe Zunahme der Juden beruht zunächst auf Auswanderung, an welcher die preußischen Juden von jeher stärker als Personen der christlichen Bekenntnisse betheiligt gewesen sind, sodann auf den starken Uebertritten aus dem Judenthum zu anderen Bekenntnissen. Die Juden sind nächst der Reichshauptstadt 48,8 (v. T.) verhältnißmäßig am zahlreichsten in Hessen-.Nassau (25,3 v. T.), Posen (18,7 v. T.j, Westpreußen (11,7 v. T.) und Schlesien (10,2 v. T.) vertreten. Wiederholt druckte am 21. November die „Kreuz-Ztg. eine Notiz eines in Wien erscheinenden zionistischen Organs des „Jüdischen Volksblatres" ab, in welcher behauptet war, daß „auch innerhalb der deutschen Sozialdemokratie, dieser altbewährten, kampferprobten, groß angelegten Organisation die antisemitische Krankheit ausgebrochen sei, und daß daran die Juden selbst schuld sein müßten. Das Wiener Blatt behauptet, daß diesen Umschwung Parvus, Rosa Luxemburg und Genossen durch ihr Benehmen bewirkt hätten. Wie weit das zutreffend ist, kommt hierbei nicht weiter in Frage; bemcrkenswerth ist jedenfalls, daß die antisemisch-konscrvative „Kreuz-Ztg." einerseits dem „Jüdischen Volksblatt" „genauere Sachkenntniß" nachrühmt, weil es antisemitische Regungen innerhalb der Sozialdemokratie feftstcllt, andererseits aber ihr altes Steckenpferd werterreitet, der Sozialdemokratie grundsätzliche Abneigung gegen den Antisemitismus zum Vorwurf zu machen. Den besten Beweis für den Niedergang der radikalen antisemitischen Presse liefert die Tharsache, daß eine Anzahll von Schriftstellern, welche für jene Blätter arbeiteten, neuerdings offenbar bei der konservativ-antisemitischen Presse Unterkunft gesucht und gefunden hat. Die Kritik des richterlichen Urtheils im Prozesse Sonnenfeld, 3.’dd)e der „Reichsbote" veröffentlichte, sowie ein mit dem Zeichen D (Paul Oehn?) versehener und „Zur Judenmache in Südafrika" überichriebencr Leitartikel der „Kreuz-Ztg." machten vollständig den Eindruck, als ob sie ursprünglich für die an stark gewürzte Kost gewöhnten Leser der „Staatsbürger-Ztg." oder des „General-Anzeigers" bestimmt Lcwesen seien. Der..„Reichsbote", dem bei der Verurtheilung des