Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-12-01
- Page
- 676 (sequence 11)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. 676 wehr gehandelthabe, wurde ihm durch Zeugen nachgewiesen, daß der Ermordete gar kein Messer bei sich hatte. Infolge des Wahrspruchs der Geschworenen wurde dann Bozak zu l 8 Monaten schweren Kerkers rerurtheilt. Ebenso bedenklich wie das milde Verdikt der Geschworenen erscheint die Annahme des Messerhelden, daß gegen Juden verübte Unthaten glimpflicher zu Leurtheilen seien. Daß solche Annahmen bei Ungebildeten überhaupt auftauchen können, beweist einen tieftraurigen Rückgang der Kultur, den diejenigen mitverschuldet haben,, welche öffentlich „Flagellanten - Reden" halten. Das „Prager Tagebl." schreibt: „Wenn man die Begleitumstände des Vorfalls ansieht, entrollt sich ein abschreckendes Bild der Verrohung und Verkommenheit der Volksschichten, denen der Angeklagte angehört." Damit ist breiten Volksschichten in Oesterreicn ein allznschwerer Vorwurf gemacht, denn ihre Verrohung würde niemals fo überhand genommen haben, wenn ihnen edlere Anregungen und bessere Beispiele gegeben worden wären. Fast jeder Bericht über Verhandlungen des österreichischen Abgeordnetenhauses enthält Reden und Gespräche, die aus die Bevölkerung nicht kulturfördernd einwirken können. So fand z. B. in der 73. Sitzung folgendes Zwiegespräch statt: Abg. Schneider ^christlich-sozial) spricht zunächst in' der ihm eigenen Weise über die Einwanderung.der Juden und sagt daun: Der „Vorwärts" in Berlin hat ein Vermögen von etwa 350 Millionen . . . Abg. Schuhmeier: Der „Vorwärts"? Abg. Schneider: . . . für die Klöster ausgerechnet. Abg. Seitz: Raja, bei Ihnen muß man daraus gefaßt fein, daß Sie behaupten, der „Vorwärts" hat das Geld! Abg. Schneider: Herr Präsident! Bitte, dem Juden Seitz zu sagen, daß ich mit ihm nichts zu reden habe! Mit einem Juden rede ich überhaupt nichts! Abg. Seitz: Sie wissen, daß meine Vorfahren schon im vorigen Jahrhundert in Wien waren als ein urarisches Geschlecht! Ihre Behauptung ist also eine dumme Lüge! Abg. Schneider: Schauen Sie sich den Abg. Seitz an und Sie werden sehen, ob er ein Jude oder ein Mensch ist! Abg. Seitz: Bei Ihnen weiß man aber, daß Sie weder das Eine noch das>Andere sind! . Von dem Abg. Karl Hermann Wolfs, dem bisherigen Genessen des antisemitischen Führers der österreichischen „Alldeutschen" Schönerer, sagt die-Offenbacher „Deutsche Volksmacht",.das Organ teo hessischen Antisemiten, Abg. Hirsche!, Folgendes: „Die Ursache der Mandätsniederlegung ist die denkbar schmutzigste. Wolff hatte mit der Frau feines^ParLeifreundes Seidl, die zugleich die Tochter scinco Parteifreundes und Klubgenossen Reichsrathsabz. Tschau ist, ein ehe-