Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-12-01
- Page
- 677 (sequence 12)
- Language
- German
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Umschau. 677 orecherisches Verhältniß!" Die „Staatsbürger-Zeitung" und die „Deutsche Wacht" geben zwar zu, daß das Pistolen-Duell Wolffs mit dem Prof, der Landwirthschaftlichen Hochschule bei Wien, Seidl, durch eine schwere Beleidigung der bürgerlichen Ehre des letzteren verursacht wurde, drücken aber die Hoffnung aus, daß Wolff sich in absehbarer Zeit wieder um ein Mandat bewerben werde. Die katholische „Köln. Volkszeitung" kann ihre Befriedigung über den Rücktritt Wolff's, des eigentlichen Leiters der „Los von Rom-Bewegung" nicht verbergen. Sie sagt von dem Herausgeber der „Oestr. Rundschau", die so häufig gegen die Klerikalen zeterte: „Ihm selbst lag jedes religiöse Motiv fern. Die Graßmann - Affaire nützte niemand agitatorischer aus als Wolff, in keinem Blatte als in der „Ostdeutschen Rundschau" Wolffs wurde die Uebertlittsbewegung eifriger gepflegt, und niemand nahm den Mund voller von der „Unmoral" der Geistlichen und der Ordens* tcute, als der Abg. Wolff in seinem Organ und in seinen Reden. Die „Liguori - Moral" ist seine Erfindung, er selbst übte die — „Wolff-Moral". Als Parlaments red ne r hat er sich weniger hervorgethan denn als Zwischenrufer im Hause und als VolksverMnmlungsredner. Die alldeutsche Organisation ist sein Werk. Ja, es ist zweifelhaft, ob diese ihren Führer auch nach seiner Kompromittierung auf, die-Dauer fallen lasten wird. Ein alldeutsches Grazer Blatt schreibt schon heute, '„einer solchen Krast könne Oesterreich nicht entraten!" Vor allem aber ist die ganze Los von Rom-Bewegung wie auch die alldeutsche Partei in ihrem Führer moralisch kompromittiert. Es hat sich ergeben, wie unecht der Kampf dieser Partei für die Moral und' wie undeutsch der Stolz der patentierten Vorkämpfer des Teutschrhums ist. Durch ein Duett (mit dem Grafen Badeni) in die Höhe gekommen, stürzte Wolff infolge eines Duells von der Hohe." Wenn in den Kreisen der Gebildeten der Wahn nicht getilgt wird, das; die verletzte Ehre durch einen Zweikampf wieder hergestellk werden kann, wenn Volksvertreter dadurch berühmt werden, daß sie ihren Gegnern mit der Pistole entgegentreten, dann freilich kann man es dem Schlosiergehilfen Bozak nicht hoch anrechncn, wenn er gegen flmanden, der ihm mißfällt, das Messer gebraucht. Die Judenverfolgungen. waren zu allen Zeiten nur die Folge des allgemeinen Kulturrückgangs und sogar zuweilen auch die Vorboten eines Zusammenbruchs politischer und sozialer Verhältnisse. Wo diese Verhältnlffe durchaus kerngesund und zufriedenstellend sind, verfolgt man keinen niedlichen Mitbürger wegen seiner Abstammung oder seines religiösen Bekenntnisses. Die sogenannte „Judcnfrage" ist nur eine Kulturfrage und als solche auch ein Bestandtheil der sozialen Frage! A. L.