Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-12-01
- Page
- 675 (sequence 10)
- Language
- German
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Umschau- 675 Neformp.), Chefredakteur Wegner, Oberpostassiftcnt Stockmann und Seeretär Mannes, Redner des Deutschen Dolksbundes!" Aber nicht nur die Preß- und Versammlungsfreiheit wird durch die antisemitischen Handelsleute vielen anständigen Deutschen verleidet, auch an dem Werthe und Nutzen einer anderen werthvollen freiheitlichen Errungenschast der Kulturvölker, dem Schwurgericht, beginnen in neueren Zeiten viele zu zweifeln, die sich früher für die Betheiligung des Laienelements an der Rechtspflege begeisterten. Man sollte aber doch daran festhalten, daß Einrichtungen, die für ruhige Zeiten geschaffen worden sind, deshalb nicht aufgegebcn werden dürfen, weil sie zeitweise unter dem Drucke der heftigen politischen Strömungen nicht alle Hoffnungen rechtfertigen, die man bei ihrer Begründung auf sie gesetzt hat. Als am 11. November in Könitz der Arbeiter Dähuert vor dem Schwurgericht stand, wurde bekundet, daß der Angeklagte kurz vor der Kouitzer Synagogen- Brandstiftung dem Barbicrlehrling Giede ein Fläschchen mit Benzin entrisfen habe und mit den Worten: „Damit werde ich den Tempel anstecken", nach der Synagoge zugeeilt jen Mehrere Zeugen wollten Giede mit einem Arbeiter an der Ecke und auch später von dem Mönchssee kommend in der Friedrichstraße gesehen haben. Giede erinnerte sich nur bestimmt daran, daß der Angeklagte der Arbeiter gewesen sei, der ihm das Benzinfläschchen entrissen habe. Giede wurde als der Tbätcrschaft oder Teilnahme verdächtig nicht vereidet. Der Erste Staatsanwalt Schweiggcr beantragte das Schuldig. Der Vertheidigcr, Rechtsanwalt Hunrath, plaidierte für mildernde Umstände, da Dähnert, wenn er der Brandstifter gewesen, doch nur einen Schuppen und nicht die Synagoge selbst angezündet und offenbar unter dem Einflüsse des Alkohols gehandelt habe. Die Geschworenen verneinten die Schuldsragen, und Dähnert wurde sreigesprochen. Gegen Giede aber konnte wegen mangelnder Beweise keine Anklage erhoben werden. Noch eigentümlicher berührt ein Bericht über eine am 26. November in Prag stattgehabte Schwurgerichtsverhandlnng, bei der über den Schlosscrgchilfen Joseph Bozak verhandelt wurde, der nach einem Streit während einer Tanzunterhaltung auf dem Heimwege dem israelitischen Arbeiter Alois Glas auflauerte und denselben in der Pilsenerstraße in Prag erstach. Unüuttei&ar darauf erzählte der Mörder in einer Lranntweinschänke. was er gethan, und sagte zu seinem Freunde Franz Trawnik: „Ich bin froh, daß es ein Jude ist; wenn ich ihn todtgestochen habe, kriege ich nicht so viel dafür!" Als er sich vor Gericht damit verteidigte, daß er' dem Glas das Meffer entwunden und in Roth-