Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-12-01
- Page
- 671 (sequence 6)
- Language
- German
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Umschau. 671 gehalten in der Gesellschaft Zustände schaffen, welche dem Menschenrecht und dem Menschengeist, dem christlichen, wie dem philosophischen, Hohn sprechen, eine Reaktion der mißhandelten Menschheit mir berechtigt erscheint, weil sie, natürlichen Gesetzen felgend, nicht ausbleiben konnte. Daß diese Reaktion eine gewaltsame sein kann und darf, wo die Mißhandlung eine gcwaltthätige ist, aeceptiere ich als selbstverständlich. Und wenn ich daher für die Ausbreitung des verbrecherischen Anarchismus das Judenthum in erster Linie verantwortlich halte, so ergiebt sich als natürliche Konsequenz meines Ideenganges auch der Schluß, daß, wenn die bestehende Gesellschaft^, ordnung die gesetzlichen Mittel verweigert, die schädlichen Ern-' huste des Judenthums auf unsere menschliche, christliche und nationale Entwicklung abzuwebren, eine gewaltsame Prozedur nicht als beklagcnswerthes Ereignis; erscheint. Dies wird zur Beruhigung genügen." — Das heißt zwar, von dem natürlichen Recht, verrückte Ideen zu haben, einen etwas ausgedehnten Gebrauch machen, lauft aber im Großen und Ganzen doch wiederum nur darauf hinaus, den Staat als „am Ende seines Witzes stehend" hinzustellcn und das Dreschflegel'Rcgimcnt als eine berechtigte Einrichtung zu verthcidigen. Der Uebermulh der antisemitischen Prcsie und Versammlungsrcdner erklärt sich unschwer aus den zarten Rücksichten, die seitens der Behörden gegen die Ausschreitungen derselben lange Zeit genommen wurden. Je mehr man sich dem Terrorismus dieser Schwarmgeister fügt, von denen man merkwürdiger Werse einen Bei. stand gegen andere staatsfeindliche Politiker erwartet, desto höher hinauf suchen sie ihr Regiment zu erstrecken. Als die auf einem Mißverständniß beruhende Meldung austauchte, der Kaiser habe einem jüdischen Ehepaare in Jastrow aus Anlaß der goldenen Hochzeit statt der goldenen Ehejubilaums-Medaille eine in hebräischer Schrift verfaßte illustrierte Bibel geschenkt und auf das Titelblatt derselben eine Widmung niedergeschrieben, ließ die „Staatsbürger Ztg." die ironische Bemerkung los: „Man muh danach annehmen, daß der Kaiser auch des Hebräischen mächtig ist, da es keinen Sinn bätte, eine Widmung in ein Buch cinzutragen, dessen Inhalt dem die Widmung Schreibenden unzugänglich ist." Nachdem die harmlose irrthümliche Meldung von jüdischer Seite widerrufen worden war, schrieb das Antisemitenblatt: „Natürlich werden die Judenblätter von dieser Richtigstellung des Thatbestandcs keine Notiz nehmen, um ihre Leser nach wie vor in dem Glauben zu lasten, der Kaiser habe „wieder einmal" Juden hervorragend ausgezeichnet. Besonders befremdlich ist,