Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-12-01
- Page
- 670 (sequence 5)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. 670 einzelnen Händen, man weiß nicht, ob sich unsere Unternehmungc'., wie die Schiffahrtsgesellschaften, in deutschen oder amerikanischen Händen befinden. Ein großer Mann wie Bismarck müßte aufstehen, um den englischen Nebel zu verscheuchen, um aber auch mit eiserner Faust in unsere wirthschaftliche Lage cinzugreifen. Es muß wieder, wie in früherer Zeit, Fürst und Bürger Hand in Hand gehe.:. Der Wohlstand nimmt zu, und dabei hat der einzelne weniger als früher. Früher konnte jeder den Seinen etwas hinterlassen, heute wissen wir uns vor Schulden nicht zu retten. Wenn wir im wirthschaftlichcn Kampfe zu Grunde gingen, so ist solches schlimm, abelschlimmer ist der moralische Niedergang. Nicht von Arbeitsnotb, sondern von Arbeitsscheu und Arbeitsuulust sollte man sprechen. Ein großer Theil unseres Volkes ist demoralisiert. So sind tatsächlich unsere Kulturstaaten am Ende ihres Witzes angekommen. Heute sprechen wir nur noch von einer Regierungsmüdigkeit, aber wir wollsn zu Gott hoffen, daß sich noch Menschen finden werden, die zu den Thronesstufen hinaufrufen: „So geht es nicht mehr!" Wir sollen die falsche Furcht abwerfen. Die Feigheit ist es, die unser Volk verdirbt." Der stürmische Beifall, der sofort dem Vorwurf der Feigheit folgte, verhinderte wahrscheinlich Herrn Böckler, den Dresdener Antisemiten noch deutlicher zu erklären, wozu er ihnen Muth machen wollte! Wie ansteckend die Aufrcizuugsmanie dieser Politiker wirkt, zeigt u. A. eine in der von Haus von Mosch herausgegebencn „Deutschen Hochwacht" (No. 46 v. ll.Novbr.) veröffentlichte Zuschrift, in welcher der „Philippus" unterzeichnende Absender im Anschluß au eine frühere Aeußeruug Folgendes erklärte: „Meine Darstellung beschränkte sich einfach auf die Begründung, nicht die'Berechtigung der Theorieen politischer Schwärmer und Fanatiker und habe ich ausdrücklich an Beispielen erläutert, bis zu welchem Wahnwitz diese Theorieen in manchen Köpfen sich auslaffen. Ich dächte auch, daß die von mir gegebenen Beispiele recht abschreckender.Natur sind, und daß mich, wenn schon überhaupt nur da ein Vorwurf trifft, behauptet zu haben, daß jeder Mensch ein natürliches Recht hat, verrückt^ Ideen zu haben, die ihm vernünftig scheinen, und daß er darnü sich das weitere Recht erwirbt, nach seiner" Art Kritik zu üben au der Gesellschaftsordnung, wie sie Herr „Bg." an einem sterblichen Menschen übt. Um aber nicht die scheinbare Berechtigung der an mir geübten Kritik zu bestreiten, will ich unumwunden zugebe'., was ich wirklich als meine Meinung zu vertreten dreist genug bi;:. Ich meine nämlich, daß dort, wo unmoralische Herrsä"