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Im deutschen Reich · 1901-12-01 · Heft 12 (Dezember 1901) · p. 669

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 12 (Dezember 1901)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1901-12-01
Page
669 (sequence 4)
Language
German
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Umschau. 669 Ertrag halte über die antisemitische Bewegung. „Warum halten wir uns denn so theure Minister?" „Wenn ich als Ministerkeine eigene Meinung haben dürfte, wollte ich lieber Kühe hüten." Ein Minister müsse einmal dazwischen schlagen können im Staatswesen, „damit sich die Natten verkriechen." Den Lehrern der Jugend-rief er zu: „Wacht auf! Wir müssen kraftvolle deutsche Persönlichkeiten erziehen und den Jungens einen riesigen Judenhaß einimpfen'" usw. usw. Dieselbe Tonart hatte schon vor dem Grafen Pückler in derselben Versammlung IW. Giese uv dem Vorträge „Der moderne Staat am Ende seines. Witzes", angeschlagen und fast unmittelbar, nachdem ein Kaiserhoch ansgebracht worden war, der Staatsverwaltung nacheinander folgende Vorwürfe gemacht: Nach-Gründung des Deutschen Reichs habe man gehofft, daffelbe würde in nationalem Sinne ausgebaut werden. Diese Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. Für den Militarismus werde manches ausgegeben, was besser für Kulturzwecke verwendet würde. Ter Kaiser habe den Arbeitswilligen Schutz versprochen, aber das diesbezügliche Gesetz sei abgelehnt worden. In Halle sei eine Gedächtnißrcde der Studentenschaft auf Bismarck verboten worden Lus Furcht vor der Socialdemokratie. Die fortwährenden Erlasse gegen, ihr Eindringen in den Soldatenstand bewiesen, daß man sie von Regicrungswegen erfolglos bekämpfe. Die Polizei sei in kleinen Maßregeln sehr, geschäftig; wo es aber gegolten habe, Morde aufzudecken, habe sie versagt. Der Redner bezeichnete dann die deutsche Auslandspolitik als eine schwächliche und sagte von der Schuldenlast des Reichs, daß man einen Privatmann, der so wirthschafte, unter Kuratel stellen würde. Das Staatswesen sei von der Großfinanz abhängig und Loge nicht, derselben entgegcnzutretcn. Der Redner meinte deshalb, von eben werde die Hilfe nicht kommen und scbloß seinen Vortrag mit den Worten: „Doch endlich drückt des Joches Schwere — Und aogeschültelt will es sein." Schärfer wird wohl kaum je ein Socialdernokrat gegen die StaatLregiernng sich'geäußert haben; daß dieser die Massen zum „Abschütteln des Jochs" nanunternde Antisemitismus st.-atserhaltend wirken könne, — dazu gehört ein Köhlerglaube! In einer am 6. Dezember in Dresden abgehaltenen Antisemitenvusammlunz äußerte sich - der Redakteur der „Staatsbürger-Ztg.", Lrto Böckler, ebenfalls im Sinne des „Jochabschüttetns". Erjagte noch einem Bericht der antisemitischen „Deutschen Wacht": „Wir sind mmt reichsverdrossen, sondern regierungsverdrossen. Das Vertrauen zur Regierung muß man heute mit der Lupe suchen. Bci uns wird nur noch das Großkapital poussiert. Gewiß sind heute noch Kapitalien im. Lande vorhanden, aber diese befinden sich in

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