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Im deutschen Reich · 1901-12-01 · Heft 12 (Dezember 1901) · p. 668

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 12 (Dezember 1901)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1901-12-01
Page
668 (sequence 3)
Language
German
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Im deutschen Reich. N68 verbirgt. Andererseits kann man sich noch immer 'nicht von dem uralten Wahn losmachen, daß der Unwillen der Volrsmasien 'über ungünstige wirtschaftliche Verhältnisse dann seine Bedeutung verliere, wenn man ihn sich gegen die seit undenklichen Zeiten als „Prügelknaben" betrachteten Inden entladen lasse. Die systematisch betriebene Aufreizung der bürgerlichen Kreise gegen die bestehende staatliche und gesellschaftliche Ordnung hat bereirs einen so drohenden Charakter angenommen, das; selbst einzelne antisemitische Organe darüber Bedenken äußern und diesen Weg als ebenso ungeeignet bezeichnen, Reformen zu erzielen, als das Judenthiun zu bekämpfen. Nachdem die Berliner Pücklerversammlung am II. November aufgelöst worden war, weil der gräfliche Dreschflegelredner die Aeußernng gewagt hatte: „Unsere Behörden laufen aber wie toll und verrückt hinter den Juden her!"' erklärte die antisemitische Magdeburger „Sachsensckau", sie berichte über jene Versammlung so ausführlich, um ihren Lesern zü zeigen,, „wie Graf Pückler durch sein Auftreten auf die Bewegung den' Fluch der Lächerlichkeit lade und wie unsinnig diejenigen handeln, welche trotz aller Warnungen der verständigen Antisemiten mit solchen Radauversammlungen in Berlin krebsen gehen." . . . „Die Bewegung fordere nüchterne, kaltblütige, entschlossene Männer, aber nickt Leute, die von einer praktischen Bekämpfung des schlauen Jndenthums so wenig verstehen wie der Esel vom Lautenschlagcn. Und der eiserne Besen, non dem Graf -Pückler stets rede, fände unter' „seinen Leuten" vollauf Beschäftigung." Dies schrieb das Magdeburger Antiscmitenblatt natürlich nicht den Juden zu Liebe, sondern'aus Furcht, die antisemitische Bewegung bei den maßgebenden Staatvleitern völlig diskreditiert zu sehen. Der nächsten Umgebung des Grafen Pückler wäre das natürlich auch nicht angenehm, aber die bei jeder'sensationellen Schaustellung des gräfüchen Redners ihnen erwachsenden finanziellen Erträgnisse beschwichtigen jedes-Bedenken. So ist denn Graf Pückler von den geschäftskundigen Leitern des „Deutschen Antisemitenbundes" veranlaßt worden, am 29. November abermals vor einer großen Versammlung in den „Concordia-Salen" eine Rede zu halten, die zwar nichts Neues bieten konnte, weil sein Dreschflegel immer' nur für die gleiche Sorte Stroh paßt, aber doch durch einzelne Kraftsätze den Erwartungen einer sensationslüsternenHörerschaft entsprach. Dabei erklärte er: „Wir brauchen wieder populäre Fürsten" und meinte'daun, ein populärer Fürst sei Kaiser Wilhelm I. gewesen. ' Das Geschreibstl der „Judenpresse" sei ihm ganz gleich. „Ist sie frech, so bin ich noch frecher." Er'fragte, ob denn kein Minister da sei/der dem Kaistr

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