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Im deutschen Reich · 1901-12-01 · Heft 12 (Dezember 1901) · p. 663

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 12 (Dezember 1901)
Article
Die bayerischen Volksvertreter jüdischen Glaubens
Date
1901-12-01
Page
663 (sequence 5)
Language
German
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Die bayerischen Volksvertreter jüdischen Glaubens. 603 nicht berechtigt erklärt und unterdrückt, die nicht die Lehren bekennen, welche im orthodoxen Rußland aufgestellt sind? Das „heilige" Rußland zieht in diesem Augenblicke ins Feld, „den Stahl in der Faust, das Kreuz an der Brust," um „die Ketzer" zu bekriegen: ihm sind Ketzer alle christlichen Einwohner des übrigen zivilisierten, christlichen Europas. Diese Grundsätze des christlichen Prinzips in einer solchen Zeit auszusprechen, ich finde es nicht für rathsam. Wir leben in einer Zeit, von der man nicht weiß, was der nächste Tag bringt Es ist möglich, daß wir in der nächsten Zeit alle Kräfte aufbieten müssen, um dieses heilige Rußland zu bekämpfen und uns seiner Glückseligkeit zu erwehren. Ich glaube, meine Herren, wenn die Mittel hierzu geschaffen, wenn die Soldaten gesammelt werden, die ihr Blut in diesem, ich sage, heiligen Kampfe zu vergießen haben, man wird die Juden nicht ausschließen, man wird ihre Steuern, ihre freiwilligen Beiträge annehme'n, die vielleicht so groß sein werden, als die ihrer Nichtglaubensgcnofien. Man wird die jüdischen Soldaten auch nicht ausschließeu, und wenn ich überhaupt noch im Zweifel wäre über das Resultat der Beantwortung dieser Frage, ich bin überzeugt, die Minister der Finanzen und des Krieges würden diesen Zweifel lösen. Also, meine Herren, es ist möglich, daß wir Steuern zahlen, freiwillige Beiträge leisten, daß wir unser Blut vergießen für die Rettung dieses christlichen Staates, aber mitrathen, mitbeschließen sollen wir nicht?" Glücklicherweise erhoben sich nur Wenige, die für Ausschließung der Juden auch nur vom aktiven Wahlrechte stimmen wollten, wie denn das ganze erzreaktionäre Wahlgesetz schließlich abgelehnt wurde. Es war schon oben angedeutet worden, daß Morgenstern ein Märtyrer seiner Uebcrzeugung wurde. Bei einem Jahreseinkommen von nur 6—700 fl., die er, schon beladen mit den Sorgen eines Familienvaters, als Concipient in der Kanzlei eines Anwalts in Nürnberg verdiente, legte ihm die Ausübung eines Abgeordnetenmandats und der damit verbundene monatelange Aufenthalt in München schwere Opfer aus, die der unbemittelte Mann auf die Dauer nicht zu tragen vennochte. Seiner radikalen Gesinnung hatte er es zu verdanken, daß ihm der Ministerpräsident von der Pfordten unzweideutig erklärte, er würde die damals noch erforderliche Genehmigung /mr Ausübung der anwaltschastlichen Praxis niemals erhalten?) Und 1) An dieser Stelle dürste noch folgende Mittbeilung, entnommen e-.nem aus München vom 11. Januar 1861 datierten Privatbriese Arnheim's i 'teressieren. Arnheim schreibt: „H. (damals Referent im JustiMimsteriunr) 'ngte mir, das; er vom Minister beauftragt sei, die jüdischen Kandidaten

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