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Im deutschen Reich · 1901-12-01 · Heft 12 (Dezember 1901) · p. 664

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 12 (Dezember 1901)
Article
Die bayerischen Volksvertreter jüdischen Glaubens
Date
1901-12-01
Page
664 (sequence 6)
Language
German
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664 Im deutschen Reich. aus diesem Grunde sah er. sich in Rücksicht auf seine anwachsendc Familie gezwungen, im Frühjahr 1855 der politischen Thätigkeit zu entsagen, um zunächst in das Bankhaus des Magistratsraths Mapei Cohn in Nürnberg einzutreten und später ein Fabrikunternehmen in Forchheim zu . begründen, das unter seiner Leitung Zu rascher Blüte sich entfaltete. Wie sehr die Makellosigkeit seines Charakters und die Unentwegtheit seiner Gesinnung auch dem Gegner die Anerkennung abgenöthigt hat, dafür ist die Art bezeichnend, wie ein im Dienste der Reaktion stehendes Witzblatt, „Der Münchener Punsch",, die Mittheilung von seinem Ausscheiden aus der Kammer brachte: „Herr I)r. Morgenstern hat das politische Fach mit dem merkantilischen vertauscht; möge er sein merkantilisches Fach politischer betreiben, als er das politische mcrkantilisch betrieben hat." Diesen Rath scheint Morgenstern auch befolgt zu haben, da er.trotz des eifrigen Interesses, das er auch als Privatmann im Ausschuß der bayerischen Fortschrittspartei und als Führer der Volkspartei in Fürth für alle politischen. Fragen in der. Richtung des unentwegten Freisinns bekundete, und trotz der kommunalen Thätigkeit, die er als langjähriges Mitglied der Gemeindebevollmächtigten in Ehrenämtern der Stadt Fürth entfaltete, ein Mandat zum Abgeordnetenhause,, das man ihm. anbot, nie wieder annehmen wollte. Das Unheil aber über den am 2. November 1882 verstorbenen Ehrenmann können wir am besten mit den Worten seines Enkels zusammenfassen, die derselbe in einendem Andenken seines Großvaters gewidmeten Zusammenstellung über ihn geäußert hat.i) „Die Treue und Selbstlosigkeit, mit welcher er seine Ucberzengung hoch hielt, auch als es galt, für sie schwere Opfer zu bringen, außer der gewöhnlichen Reihenfolge in Vorschlag zu bringen und zwar aus zwei Gründen, wer! sie keine andere Stellung wählen können als dir Advokatur, und weil sie in der Regel' mit Auszeichnung qualifiziert sind und Mittelmäßigkeit eine Ausnahme bildet — Damit vergleiche man den Standpunkt, den neuerdings in Bezug auf Beförderung von Juden die oberste Justiz. Verwaltung eingenommen und sogar im-augenscheinlichen Widerspruch mit. dem Wortlaut der Verfassung zu rechtfertigen versucht hat, zuerst in. Hessen (vgl. Im Deutschen Reich 1900 S. 136 ff.) und dann auch in Preußen (daselbst 1901 Märznummer). Neuerdings hatte auch der bayerische Landtag über denselben Gegenstand seine Judendebatte, über welche wik an anderer Stelle berichten. Hier sei nur erwähnt, daß der 'bayerische Justizminister von Leonrod den Antrag des Abg. Heim, die Israelitennur nach ihrem numerischen. Verhältrüß zum Justizdienste zuzulassen, anfänglich, als im Widerspruch zur Verfassung und zu den Kronrechten stehend, bekämpft hat. l) „,2)ie parlamentarische Thätigkeit Dr. jur. David Morgensterns von Or. Mar Süßheim S. 6.

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