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Im deutschen Reich · 1901-12-01 · Heft 12 (Dezember 1901) · p. 654

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 12 (Dezember 1901)
Article
Die Anstellung von Staatsbürgern jüdischen Glaubens im Staatsdienste
Date
1901-12-01
Page
654 (sequence 4)
Language
German
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654 Im deutschen Reich. Nonsens. Der Antrag werde den Antisemitismus und; gro^ Dorurtheile nähren. — Abg. Hilpert: In Windsheim würde man es unbegreiflich finden, wenn man einen israelitischen Richter bekäme. Er fürchte nicht, daß dieser Antrag einmal siw die Protestanten Consequenzen habe. Er wolle auf die Gefahren des Ueberhandnehmens der Juden Hinweisen. — .Abg. Dr. Gach: Ihm seien oft wirkliche Inden lieber, als chriftlichc Juden. Allein in Wien habe er sich eine gewisse Antipathie erworben. In Schweinfurth sollen jüdische Rechtspraktikanten aus Hypothekenbüchern Mittheilungen an jüdische Freunde gemacht haben. So tolerant wie die Franken seien die Niederbayern auch. Die Juden in der Universität seien bescheiden: er habe den Antrag nur unterschrieben, weil er verhindern wolle, daß die Juden sich weiter ausdehnen. — Abg. I)r. Schädler: Den Antragstellern liege wohl Rassenhaß lfcnt. Er bedauere das Anwachsen der Israeliten im Richter- und Anwaltsstande. Der antisemitische Zug werde nicht künstlich in die Bevölkerung hineingetrageu. Die Gründe, die zu einem solchen Antrag führen, sollten die Israeliten zur Einsicht führen. Nichtsdestoweniger könne er dem Anträge seine Zustimmung nicht geben.; Auo dem Anträge könnten auch Gefahren für Katholiken erwachsen. Er wolle auch nicht an der Verfassung rütteln. — Abg. Dr. Pichler bekämpft den Abg. Dr. Eaffelmann. Mit confessionellen Dingen habe der Antrag nichts zu thun, sondern mit gewissen Ausschreitungen der Israeliten. Er habe gegen den von ihm Unterzeichneten Antrag zwar formelle Bedenken gehabt. Aber der preußische Justizminister habe sich gegen allzu viele . jüdische Notare ausgesprochen und sich dadurch vortheilhaft vom bayerischen Justizminister unterschieden. Er wollte nur, daß nicht Auswüchse entstehen, wie in Oesterreich. — Abg. Dr. v. Daller: Die Abneigung gegen Israeliten rufen die jüdische Presse, die jüdischen Händler und Güterschlächter hervor: trotzdem sei er gegen den Antrag wegen der Verfassung und zur Vermeidung von Konsequenzen. Der Minister habe die Aufgabe, die Majorität gegen Auswüchse zu schützen. — Minister Dr. v. Leonrod bemerkt gegen Pichler, daß er bei Anstellung von Israeliten immer darauf Rücksicht genommen habe, solche Orte für sie zu wählen, . daß kein Aergerniß entstehe. Die vorhandenen geprüften . jüdischen Rechtspraktikanten werden nur zu einem kleinen Prozensatz ir den Richterdienst eint: eien. Der Vorgang in Preußen sei ein

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