Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1901)
- Article
- Die Anstellung von Staatsbürgern jüdischen Glaubens im Staatsdienste
- Date
- 1901-12-01
- Page
- 653 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316676-2316688-2328764--08910-2328839- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Anstellung von Staatsbürgern jüdischen Glaubens im LtaatSdienste. 653 Verwehrt werden. Das Proeentverhättniß sei allerdings überschritten. Auf 2449 Justizbeamte und Notare treffen 51 Israeliten, also 2,08 Procent. Er habe darnach getrachtet, Justizbeamte mosaischen Bekenntnisses dort zu verwenden, wo sie Anstoß nicht erregen. Wo die Confesfionen gemischt sind, werde ein Widerspruch gegen solche Richter nicht erheben. Die jüdischen Richter seien meistens sehr befähigte, bescheidene Herren) die keinen Anstoß erregen. Er würde das Gesetz verletzen, wenn nur nach einem gewissen Prozentsatz die Bekenner des mosaischen Glaubens angestellt würden. Auch für die Protestanten könnte das schlimme Wirkungen haben. — Res. Lerno: 'Auch er halte den Antrag für unannehmbar nach der bayrischen Verfassung und dem alterten Reichsgesetze. Das An siellungsrecht sei ein Recht der Krone; allein nach der Praris werde das Recht nach bestimmten Grundsätzen ausgeübt. Die Consequenzen für die Protestanten wären nicht abzuweisen. Er könne den israelitischen Kollegen nur das beste Zeugniß ausstellen. Daß man die Israeliten an die besten Plätze setzte, habe allerdings manchmal unter den Kollegen Mißstimmung erregt. Er sei demnach für Ablehnung des Antrags. — Korreferent Jos. Wagner pflichtet den Bemerkungen des Vorredners bei. Der 'Antrag widerspreche dem Reichsgesetze, habe auch Eenseguenzcn für die Protestanten, sedaß er nicht begreife, 'wie ihn der Protestant Hilpert unterzeichnen konnte. Soweit er Erfahrungen mit israelitischen Kollegen machte, könne er das Zeugniß des Kollegen bestätigen. Er bedauere, daß ein solcher Antrag Um. — Abg. I>r. Casselmann ist mit den beiden Referenten einverstanden und dem Minister dankbar für seine Stellungnahme. Er bedauere, daß Heim nun auch 'dem Antisemitismus Vorschub leiste und eonfessionellen Hader Hervorrufe. Er glaube nicht, daß das Volk so intolerant sei, Andersgläubige - nicht als Richter zu tolerieren; allerdings solle das in Rwderbayern der Fall fei. Er kenne viele israelitische Richter und habe mit denselben günstige Erfahrungen gemacht. Daß dieselben gute Plätze bekommen, hänge ja mit der Intoleranz gewisser Kreise zusammen. Man solle die Toleranz dem- Volke lehren und sich von .Confessions-Schnüffelei fern halten. — Abg: v. Vellmar: Der Minister dürfe nach dem Gesetz/ nicht im Sinne des Antrags -handeln. Die Parität als Prozentualitär zu behandeln, sei ein