Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 11 (November 1901)
- Article
- Berlin
- Date
- 1901-11-01
- Page
- 619 (sequence 3)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 619 zwei Dritte! Juden und ein Drittel Christen, Katholiken und Protestanten. Ich habe die non Seiu.r Majestät dem Kaiser und Könige für die vom Unglück heiingesnchten Bewohner Wpstiteus bestimmten Liebesgaben angekauft und vertheckt. Ich habe auch den qu. Artikel gelesen, der meines Wisseno im „Grand. Gesell." erschien. Mein Weg hat mich in der Letzten Zeit oft nach Wvstiten gebracht und ich glaube daher zum mindesten ebenso viel Anspruch auf ein kompetentes Urtheil zu haben, als der unbekannte Berichterstatter des „Grand. Gesell.". Ich habe aber nicht gefunden, daß eine derartige. Beschuldigung sich aufrecht erhalten Läßt. Das Leben geht nach wie vor sowohl unter der christlichen als auch der jüdischen Bevölkerung seinen gewohnten Gang. Dagegen muß ich rühmend hervorheben, daß die Wohlhabenderen unter den jüdischen Abgebrannten (von einem Neichthum kann in Wvstiten wohl nicht die Rede sein) freiwillig auf Empfang, von Liebesgaben oder Geld Zu Gunsten ihrer armen Leidensgenofseu, auch der Christen, verzichtet haben." Vor der 2. Strafkammer des Berliner Landgerichts I. hatten sich am 9. November Graf Walter Pückler-Klein-Tscknrne und der Redakteur Otto Böckler wegen Aufreizung zu Gewalttbätigkeiten zu verantworten. Den Vorsitz führte Landgerichtsdirektor Kaller, die Anklage vertrat Staatsanwalt Kauzow. die Verthcidigung führte Rechtsanwalt!)r. Habn-Ebarlotienburg. In einer am 16. Dez. v. Js. in den Berliner Coneordia-Saleu abgebaltenen Voltsverfammlung hatte Graf Pückler u. a. gesagt: „Ist diese Versammlung vorbei, so machen Tie eine Bierreise, und wenn Sie einen schwarzgelockteu Judeujüngliug treffen, so führen Sie ihn hinaus, und wenn der Wuth Skandal macht, so schmeißen Sie ihn and) hinaus. Das Anoden der Juden nützt nichts, die^werle müssen mir eiserner Faust angefaßt werden. Vielleicht werde ick) noch einmal wieder Amtsvorsteher in Kleiu-Tfchirne, dort tonnten die Anwesenden mich besuchen. Ich habe dort auch einen Juden, den könnten sie „verbinden", so viel sie wollten. Ich werde auch Haubitzen gegen die Juden ausfahren lassen u. s. w." — Graf Pnckler behauptet, die beanstandeten Aenßerungcn keineswegs in der Absicht getbau zu haben, die Zuhörer zu Ausschreitungen zu veranlassen, sondern nur um seine Rede durch derbe scherzhafte Einschaltungen (!j zu würzen, wie es alle Volksredner wie Stöcker, Ahlwardk n. s. w. zu thun pflegten. Dem Angeklagten Böckler gelang der Nachweis, daß er für den mkriminierken Bericht der „Staatsbürger Zeitung" über jene Versammlung nicht verantwortlich fei, da dieser Nachtbericht von dem Redakteur Wilberg verfaßt