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Im deutschen Reich · 1901-11-01 · Heft 11 (November 1901) · p. 615

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 11 (November 1901)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1901-11-01
Page
615 (sequence 10)
Language
German
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Umjcöau. 615 feinen flcljemicn, wie immer gearteten Vorbehalt, und zwar auch nicht mit Rücksicht auf das am letzten Jom-Kippur gebetete oder an kommenden Jom-Kippurtagen zu betende Kol-Ridrc-Geber gemacht haben. Diesen OnD hätten die Juden, auf Schweinsleder stehend, abzulegen, weil es ihrem Aberglauben entspricht, sich sonst nicht gebunden zu halten, weshalb auch die Gesetze unserer klügeren Vorfahren mit weisem Vorbedacht diese Formen verordneten; 3. daß alle Juden und Judengemeinden den Bestimmungen über die politischen Vereine unterworfen werden und 4. daß allen Juden und Jüdinnen jeglicher Unterricht untersagt werde." Selbstverständlich ist nicht daran zu denken, daß ein solcher Antrag bei der österreichischen Regierung irgendwelche Wirkung ausüben kann, aber auf einen großen Theil der Bevölkerung wirkt er doch mit agitatorischer Kraft zurück. Demselben Zweck dient auch eine Interpellation der Abgg. Armann und Weisfinfen an den österreichischen Justizminister, welcher darin aufgefordert wird, „nichts unversucht zu lassen, die Mörder des 15 jährigen Lehrmädchens Marie Suchauek ihrer verdienten Strafe zuzuführen und durch eine amtliche Darstellung des Mordes jene Gerüchte zu entkräften, die sich vorläufig mit Recht an jene Mordthat knüpfen." Das arme Mädchen, .welches in der Nähe von Neustadt an der Mettau allem Anschein nach das Opfer eines Lustmordes geworden ist, bet nämlich dem antisemitischen „Deutschen Volksblatt" neuerlich den Anlaß zu einer neuen schwungvollen Ritualmordhetze. Die Redaktion sandte einen Berichterstatter an Ort und Stelle und brachte spaltenlange. sensationell zugestutzte Berichte über diese Blutthat. Die Staatsauwaltschaft hat jene Stellen, welche den Verdacht nach einer bestimmten Richtung lenken sollten, konfisziert. Aus dem unbeanstandet gebliebenen Satze aber: „Es sprechen deutliche Anzeichen dafür, daß die Mörder der Marie Suchauek dieselben seien, die an der Polnaer Mordthatbethciligtgewcsenwaren", ist klar ersichtlich, wohindieVeröffentlichungen des „Deutschen Volksblatt" zielen. Es wiederholt sich also hier die seit Jahren betriebene antisemitische Praris, bei jedem Morde an einer jugendlichen Person durch Verbreitung tendenziöser, amtlich nicht kontrelierter Meldungen die öffentliche Meinung von vornherein für eine bestimmte Supposition zu bearbeiten, der gerichtlichen Untersuchung vorzugreifen und diese durch suggestive Beeinflussung der Bevölkerung zu erschweren. Mit welchen Mitteln da gearbeitet wird, zeigt die unwahre Behauptung des „Deutschen Volksblattes", daß „gefärbte jüdische Zeitungsberichte" die Darstellung der Mordthat entstellt oder verworren hätten. In den nichtantijemitischen Wiener Blättern ist aber bisher

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