Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 11 (November 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-11-01
- Page
- 616 (sequence 11)
- Language
- German
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616 v^n Dt’uifrfjcn sjietcL). nur kurz über die Auffindung des zerstückelten und halbverkohllen Leichnams und über den sich gegen eine Zigeunerbande richtenden Verdacht berichtet worden. Als vor kurzem aus dem Friedhöfe zu Anis bei Salzburg ein Packet gefunden wurde, in dem mit Carbo! präparierte und stark verkohlte Leichenthcile gefunden wurden, berichteten bereits die Antiscmitenblätter, „das; der grauenhafte Fa nd an denjenigen der Ueberreste des unglücklichen Gymnasiasten Winter erinnere." Bald darauf stellte sich heraus, daß die gefundenen Leichmtheile von einer — ägyptischen Mumie stammen, die von einem Rittmeister dem Salzburger Museum als Geschenk zugedacht war. Da jedoch der Rittmeister die Mumie au einem feuchten Orte verwahrte, gerieth dieselbe in Verwesung. Der Rittmeister beauftragte daher seinen Diener, die Leiche zu vergraben. Der Mann trug aber Bedenken, dieselbe dem geweihten Beden zu entziehen, und legte sie in Anif auf den Friedhof, da er annahm, daß der Todtengräber ders Packet dort finden und bestatten werde. Diese harmlose Losung hat natürlich die österreichischen Geschäftsantisemiten sehr enttäusch! und erst recht lüstern gemacht, aus dem Leichcnfund bei Neustadt an der Mettau Kapital zu schlagen. Unsere deutschen Antisemiten arbeiten bekanntlich nach demselben Reccpt. Als in den letzten QU ob erlagen in Duisburg zwei Kinder sich vorübergehend verlausen hatten, deren Vater in den Abendstunden in einem jüdischen Geschäft eine Hofe kaufen wollte, begann die sich auf der Straße ansammclnde Menge bereits zu toben und beruhigte sich erst, als die beiden Kinder sich wieder eingefunden hatten und die Harmlosigkeit des Vorfalles sich unzweideutig herausstellte. Run verdreht aber die darüber berichtende „Staatsbürger- Zeitung" die Sache durch folgende Bemerkung: „Es ist da doch weht der Vordacht gerechtfertigt, daß jüdisch erscito thatsächlich harmlose Vorfälle in Szene gesetzt werden, damit sie hinterher sagen können: seht, cs ist nichts Unrechtes vorgekommen, cs sind alles barmloje Verdächtigungen der Antisemetitcu, hier — und in Könitz, bauten :c- Dann dürfen sich die Inden aber auch nicht beschweren, wenn im Verhalten „bei der Volksmenge allgemeines Mißtrauen" hcrvorrnst''. Das Volk hegt aber solches Mißtrauen gar nicht; es wird ihm künstlicb eingeimpft durch diejenigen, welche die Volksverdummung als Geschäft betreiben und einzelne Klaffen der Bevölkerung beständig auf einander Hetzen, um dabei im Trüben zu sifchen, durch diejenigen, die Gewaltthätigkeiten herbeiführen, dann sich feig bei Seite schleichen und selbst in Sicherheit bringen. Das wird nie anders werden, wenn mau stets nur die Leute bestraft, die nie alle werden, die raffinierten Auf' wicgler aber entschlüpfen läßt. A. L.