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Im deutschen Reich · 1901-11-01 · Heft 11 (November 1901) · p. 614

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 11 (November 1901)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1901-11-01
Page
614 (sequence 9)
Language
German
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Zm Dcutfcfoen Neicü. 'tü 4 In Oesterreich giebt es allerdigs auch einzelne Geistliche, Die sich zu den Nasseantisemiten halten; zu diesen gehört u. a. der Priester und Professor der Theologie Monsignore Scheicher, der kürzlich m österreichischen Parlamente klipp und klar darlegte, daß an die Spitze eines Eisenbahnunternehmens niemals ein Jude treten dürfe, „ob er getauft ist oder nicht." Dies veranlaßt die Wiener Sonn- und Montaas-Zeitung zu der Aenßernng: „Man könnte über-diese antß semitische Schrulle Scheicher s lächelnd hinweggehen, 'wenn man sicb nicht erstaunt fragen müßte: Ja, involviert denn die Behauptung Scheicher's, daß ein getaufter Jude nicht in allem und jedem ein Christ sei, nicht die völlige Negierung des Sacraments der Taufe? Monsignore Scheicher weiß, daß nach den Lehren der Kirche ein Mensch durch die Taufe geistigerweise umgeschaffen wird und daöer keinerlei Hinderniß besteht, daß ein' getaufter Jude unter Umständen ein Professor der Theologie, ja ein Cardinal oder gar ein Papst wird. Monsignore Scheicher zeigt wieder einmal in eelatanter Weise, daß ein echter Antisemit kein Christ sein kann, daß er vielmehr in demselben Maße ein Feind des Cbristcnthums wie des In de nt hu ms sein muß." Uns als Juden kann es nur lieb sein, wenn sowohl in Deutschland wie in Oesterreich durch derartige Gesinnungen die Wankelmüthigen unter den Inden die Ueberzeuguna erlangen, daß ihnen die Fahnenflucht keinen Vortheil dringt. Bei den Berathungen über die Unruhen in Littau wurde kürzlich im österreichischen Abgeordnetenbause dem getauften Czechen Stranskv von den Alldeutschen Wolf, Steiner und Schalk beständig seine jüdische Abkunft unter den gröbsten Insulten vorgeworfen. Er vergalt dies unter dem Jubel der Ezechen durch die gegen den deutschen Antisemiten Schönerer gerichtete Aenßerung, „er finde es seltsam, daß die Alldeutschen so mit dem Worte ,,Jud" herumwerfen, .da doch aktenmäßig erwiesen sei, daß der Gründer ihrer Partei (Georg Schönerer! von dem bekannten Schmu! Leeb Kohn abstamme. „Wenn Schmu! Leeb Kohn ein Katholik gewesen ist, dann bin ich ein Alldeutscher." Die „Christlich-Sozialen" im österreichischen Abgeordnetenhause, zu denen auch der erwähnte Professor Dr. Scheicher und der bekannte Abg. Ernest Schneider gehören, forderten am 25. Oktober die Regierung auf eine Gesetzesvorlage einzubringen, in der bestimmt wird, „daß l. zur Errichtung einer neuen Synagoge, eines neuen Bethauses oder einer neuen' Judengemeiude ein Akt der gesetzgebenden Gewalt nochwendig ist; 2. daß alle Inden vor den weltlichen Behörden einen Eid die Staatsgrundgesetze und alle übrigen Gesetze unverbrüchlich zu halten, mit dem Zusatze abzulegen haben, daß sie bei diesem Eide

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