Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 11 (November 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-11-01
- Page
- 613 (sequence 8)
- Language
- German
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Umschau. ß)3 einen bedenklichen romantischen Einfluß geübt hat." In den weiteren Ausführungen des „Neichsboten" wird gesagt, „kein gläubiger Christ" könne Anschauungen hegen wie Chamberlain, und dem Kaiser wird anheimgestellt, seine Geschichtsphilosophie aus Grund des ersten Buche- Mose zu revidieren. Dazu bemerkt ein liberales Blatt: „Aber der Kaiser scheint uns doch etwas zu selbständig zu sein, als daß er sich von theologischen Koterien vorschreiben ließe, was er zu thun und was er zu denken habe." Immerhin haben aber christliche Theologen hinreichenden Grund, gegen alle sich als „Volker-Psychologen" bezeichnenden „Rassen-Zanatiker" zu wenden, welche nicht nur zum Rachtheil der Juden den „heidnischen Antisemitismus" fordern, sondern auch die Massen „entchristlichen" Helsen. Nicht erst in seinem neuen Werke stellt sich Houston Stewart Cbamberlain den positiv-religiösen Christen schroff entgegen: er hat dies schon früher gethan und zwar n. a. in seiner Erörterung der „Bedeutung der altindischen Weltanschauung für das Leben der Gegenwart". (Zu finden in der Münchener Allgemeinen Zeitung 1899, Beilage 229/80, sowie in den Bavreuther Blättern, IV. bis VI. Stück). Dort ick u. a. wörtlich gesagt: „Die Trcnuuugsmauer. die unsere Kirchendoktoren so kunstreich zwischen Religion und Denken aufgeführt haben, besteht nicht zu Recht; sie ist die Anerkennung einer ofiiziellen Lüge. Diese Lüge, welche das Leben des Einzelnen und der Gesell schast vergiftet, diese Lüge, welche uns über kurz oder lang in völlige Barbarei stürzen wird, da sie nothwendiger Weife den Schlechten und Dummen unter uns zum Sieg verhelfen, muß — denn sie allein find aufrichtig und stark — diese Lüge rührt emsig daher, daß wir Judoenropäer — dem religiösesten Menscheustamm der Erde angehörend — uns so tief erniedrigt haben, jüdische Historie als G:nnd!age und svreägvptische Magie als Krone unserer angeblichen „Religion" anzunehmen." Wenn H. St. Ehamberlain das Ebristenthum eine-„angebliche" Religion nennt, Professor Harnack dasselbe dagegen mit „der Religion" identifiziert, so mögen die Berufenen nur Zusehen, was bei dem „wissenschaftlichen Antisemitismus" schließlich herauskommt. Derselbe gebt verballhornisiert ins Volk über und tönt wesentlich vergröbert in niederen Kreisen in derjenigen Tonart wieder, welche z. B. in der „Magdeburger Sachsenschau" in folgenden widerwärtigen Sätzen ausklingt: „Die interessante Seite liegt in der Bestätigung des alten Erfahrungssatzes, daß Juden, und wenn sie mit einem Ozean „heiligen" Wassers „geruchlos" präpariert werden, dennoch unbeirrt weiter stinken als Zeugen des blöden Eifers christlicher Geistlicher, denen der „auserwählte" Nagel im Hirn festsitzt."