Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 11 (November 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-11-01
- Page
- 612 (sequence 7)
- Language
- German
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Daitfcbcn iHeid». IU2 „m*iubet", welche der Bibel am fernsten stehen, während die bidelgläubigen Christen ein offenes Auge für die Fehler des Judeuthums haben und unser Volk vor ihm zu schützen juchen." Darauf erwidert das Antisemitenblatt: „Die Bemerkung des „Reichsboten", daß die Leute am meisten verjudet seien, welche der Bibel am fernsten stehen", ist zum mindesten eine unzulässige Verallgemeinerung; man müßte sonst wohl gar zu dem Schluß kommen, daß Armin und seine Cherusker „verjndet" gewesen seien! Also nur nicht gleich nervös, wenn das Alte Testament genannt wird!" In einem spateren „Der christliche Religionsunterricht" überschriebenen Leitartikel sucht dasselbe Blatt nachzuweisen, daß die Erörterung über das Alte Testament als religiöser Lehrstoff keineswegs antisemitischem Parteisanarismus entsprungen sei, und bemerkt dabei: „(53 ist nicht zu viel gesagt, wenn wir behaupten, daß der christliebe Religionsunterricht wenigstens zur Hälfte die Geschichte des Jndenthums behandelt. Man frage unsere Kinder nur nach den Söhnen Iakob's, .nach den Richtern, den Königen und Propheten! Sie werden zumeist schlagfertige Auskunft geben. Vergeblich aber wrrd mau sich in der Rege! nach den Kirchenuatern cvknnbige n, die für die Ent\v>ick!ung des Chri st ent h n in s doch sicher von größerer Bedeutung sind, als die Richter und Könige des Alten Testaments." — Von der Bedeutung der Psalmen, der Sprüche Salomonis und insbesondere des Propheten Zesaias für jeden monotheistischen und ethiichen Religionsunterricht bat der antisemitische Verfasser jenes Leitartikels keine Ahnung. Daß die Herren Böckler und Genossen das Alle Testament aus den Schulen verbannen möchten, ist übrigens sc kr natürlich, denn heute kann sie ja jedes Schulkind auf die Zehngebme verweisen, welche nicht nur den Ritnalmord ausschließen, weil sie den Inden das Token überhaupt verbieten, sondern auch, den Christen einschärren, kein falsches Zengniß gegen ihren Nächsten abzulegen. In derselben Nummer, in welcher jene Philippika gegen das „Alte Testament" stand, wurde aber die Verurtheilung eines Redakteurs desselben Blattes zu 6 Monaten Gefängnis; mitgetheilt, eine Strase. die über jenen wegen Verleumdung eines Ehrenmannes verhängt wurde! Dafür, daß des „Nationalisten" Houston Stewart Chamberlain s phantasiereiches Werk „Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts" now mehr als bei den Inden bei den positiv-religiösen christlichen Konservativen Anstoß erregte,zeugtdie Thatsache, daß der streng monarchische „Reichsbote" daran sogar die Bemerkung zu knüpfen wagt: „Man ist in weiteren Kreisen hinreichend davon unterrichtet, daß das genannte Geschichtswcrkanfdie derzeitigepersönliche Auffassung derZeitereiguisse und Politikjeitens des Kaisers