Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 11 (November 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-11-01
- Page
- 611 (sequence 6)
- Language
- German
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Umschau. 611 sollende einem Buche von W. Robertson Smith entnommenen Sätze „irrthüinlich" dem jüdischen Schriftsteller Montefiore zugeschrieben batte: „Sünde ist bei den Hebräern jede Handlung, durch welche man im Unrechten sich befindet jemandem gegenüber, der die Mach: besitzt, das Vergehen zu bestrafen (a. a. £>., S. 246)." Die gehässigen Bemerkungen, die Chamberlain an die wohlverdiente Rüge der „intoleranten" jüdischen Gelehrten knüpft, beweisen nur, daß er garnicht einfieht, welcher Unterschied darin liegt, einen Juden einer Beschimpfung des Judenthums zu zeihen oder den christlichen Schriftsteller Robertson Smith, den wohl nur Chamberlain als „die erste Autorität der Gegenwart über semitische Religion" anficht. Uebrigens ist er. der in der Bayrcuther Schule von der Bewunderung Richard Wagners und Schopenhauers nach und nach zu einem philosophischen Standpunkt gelangt, der sich mit dem positiven Christenthum ebensowenig wie mit einer gerechten Bcurtheilung des Judenthums vereinen läßt, mehr Journalist als 'Gelehrter. Allgemein anerkannt als ein glänzender Stvlist und geistreicher „Causeur", ist er als solcher wohl geeignet, einem vielseitigen gebildeten Monarchen vorübergeltend Interesse abzugcwinncn. 'Aber die Männer der „Staatsbürger- Zeitung" werden ihn nie zu den Ihrigen zahlen, noch von seinem Borurthei! gegen alles Semitische im C hristenthum wie im Juden thum Vortheil ziehen tonnen. Andercrtcits dürfte vielleicht der „wissenjchastliche Antisemitismus", den freigeistige Männer von der 2V deunmg Chamd-erlaum m:d Pauljens betreiben, allen strenggläubigen Christen die Augen darüber öffnen, daß das dogmenfrcie Iudenrhum von diesen Erörterungen weit weniger zu fürchten har als das Christenthum, das zwar durch die „indische Legierung" seine Velksthümlichkcit erhalten haben dürste, aber durch das Ausscheiden des „goldenen semitischen Offenbarnngskerns" gewiß unendlich verlieren würde. Dadurch kann sogar der „national-angehauchte wissenschaftliche" Antisemitismus dazu dienen, den „religiösen" zu beseitigen oder mindestens zu mildern. Dahin werden und muffen auch die beständigen antisemitischen Angriffe aus das „Alte Testament" schließlich führen. Zu den Ausführungen des Staatsbürgerzeitungs-Redakteurs Q. Böckler auf dem leipziger Parteitage, „daß die geistige Verjudung des deutschen Volkes 'chon in der Schule mit dem Religionsunterricht mittels des Alte»! Testaments beginne, bemerkt der christliche „Reichsbote": „DasAlte Testamentundjein Gebrauch beimNe!igiousuuterricht„verjudet" niemand, im Gegentheil tadelt nichts so scharf, so ehrlich und offen die Sünden des Judenthums, wie das „A. T.". Grade die Leute find am meisten