Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 11 (November 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-11-01
- Page
- 609 (sequence 4)
- Language
- German
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11 mich au. ÜÜ9 ttjcneralftab Hogrefe, dlacti, Schall u. j. w., einestheils, well sie für ihre Fraktion von dem etwaigen Zusammenbruch der Zmmrermann'schen „Reformpartei" und des Mosch'schen „Volksbundes" Nutzen zu ziehen hoffen, andererseits well sie durch begeisterte Reden für möglichst hohe Kornzölle sich die mitunter recht gut lohnende Gunst der agrarischen Konsorten zu erringen glauben. Charakteristisch ist die ritterliche Rolle, welche der Abgeordnete Liebermann in dem bereits erwähnten Prozeß des antisemitischen Reichstagsabgeordneten Ludwig Werner gespielt hat. Darüber sagt die Schöneberger nationalsoziale „Zeit": „Ein feiner Antisemit ist der Reichsragsabgeordnete Werner. Jetzt begreift man, warum er Jahre hindurch gezögert hat. unfern Freund Erdmannsdörffer gerichtlich zu belangen. Erdmannsderffer batte schon lange behauptet, daß dieser antisemitische Aeichstagsabgeordnete für einen jüdischen Parlamentsjournalisten die Berichte liefere. Endlich ist die Sache zur gerichtlichen Klarstellung zAommmen, und das Gericht hat festgestellt, daß Erdmannsdörffer den vollen Wahrheitsbeweis für feine Behauptung erbracht hat. Für eineu Antisemiten, der ständig mit dem Wort hausieren gebt, daß Deutschland in der Knechtschaft des jüdischen Kapitals liege, und daß man die Juden bovkottiereu müsse, ist diese Feststellung nicht gerade sehr ehrend. Sehr nett ist übrigens die Beobachtung, daß der Abgeordnete Liebermann von Sonnenborg ständig Erdmannsdörffer öffentlich gedrängt hat, Ramen zu nennen, um dann Gelegenheit zu haben, über feinen Fraktionsgeucsfen Werner belastende Aussagen vor Gericht thun zu können. Ein reizendes Bild von Freundschaft in einer parlamentarischen Fraktion!" Die bevorzugte Ausnahmestellung, welche der Abgeordnete Liebermann von Sonnenborg in der antisemitischen Bewegung eiuzunehmen glaubt, macht es erklärlich, daß die von lluu berausgegebeuen „Deutsch-Sozialen Blatter" gerade jetzt, wo der Ten der übrigen Organe der radikalen Antisemiten wesentlich herabgestimmt ist, lauter als je vorher das antisemitische alte Ritnalmord-Hetzlied ableiern und das Kgl. Medizinal- Kollegium Zu Danzig recht trotzig verhöhnen, weil es ans Grund eingehender sachkundiger Prüfungen der traurige:: Winrcr'schen Restezu ganz anderen Ergebnissen gelangt ist als die von den Konitzer Antisemiten bisher als unfehlbare Autoritäten betrachteten Doktoren Müller, welche bekanntlich an der Leiche Winters völlige Blutleere und den „Schächtschuitt" entdeckten. Daß das Liebermanu'sche Organ dabei sogar so weit geht zu behaupten, daß es in Könitz Leute gebe, dre angesichts der neuen Wendung der Dinge in der Winter-Affäre die Meinung ausdrücken. man möchte doch lieber gleich die Veranstaltung