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Im deutschen Reich · 1901-11-01 · Heft 11 (November 1901) · p. 608

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 11 (November 1901)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1901-11-01
Page
608 (sequence 3)
Language
German
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606 Deutfcgen Reich. deutschen Reiche noch nicht rechtlos ist und die Antisemiten keinen Freibrief zur Verhöhnung von Gesetz und Recht haben. Die Myrmidonen des Herrn Wilhelm Bruhn scheinen sich thatsächlich in diesem Wahn befunden zu haben, denn sie können ihrr Enttäuschung jetzt gar nicht verbergen. Tief empört verzeichnet cs die „StaatSbürger-Ztg.", daß selbst das konservativ-amtliche „Kreisblatt für die Westpriegnitz" zu der VerurLheilnng Bockler's bemerkte: „Der auch in unserm Kreise seit der Reichstagswahl an Steile Sr. Ereellenz des jetzigen Landwirthschaftsministers von Podbielski im Jahre 1897 durch seine unerhörten Angriffe und taktlose Agitationsweise in keinem guten Andenken stehende antisemitische Redakteur Böckler hat jetzt seinen verdienten Lohn erhalten". Kaum minder kränkt es das Organ Wilhelm Bruhn's, daß der „christlich-konservative ReichSbote" über den Prozeß Cassel contra Böckler einen Bericht brachte, der für letzteren nickt gerade schmeichelhaft lautete. Deohalb schreibt die „Staatsbürger-Ztg.", die sonst die Gerichtoberichte des „Reichsboten" getreulich abzudrucken pflegte: „Jedenfalls unterhält auch die Redaktion des „Neichsboten" Beziehungen zu jüdischen Berichtserstattern." Selbst wenn dies der Fall wäre, hätte ein antisemitisches Blatt kaum Grund, sich darüber zu beklagen, seitdem in dem Prozeß Werner e/u. Erdmannsdörfer an Gerichtsstelle der Beweis erbracht 'worden ist, daß der bekannte antisemitische Abgeordnete Ludwig Werner für den jüdischen JournalistenHamburger gegen Bezahlung Berichte geliefert hat. Besonders kennzeichnend für die jetzige wehmüthige Stimmung im Lager der „Staatsbürgcr-Ztg." sind übrigens folgende Briefkasten -Notizen: „Herzlichen Dank für die freuudlichst übersandten Grüße und die gute Meinung trotz alledem. So leicht läßt sich keiner von uns „unschädlich" machen." „Sie haben recht, ein antisemitischer Redakteur hat es oft sehr schwer: Bringt man zugetragene Mittheilungen über diesen oder jenen Juden nicht, weil sie belanglos oder nickt hinreichend mit Beweismateria! belegt sind, so wird über den Redakteur räsonniert; ja, der Einsender hält sich womöglich für berechtigt, gegen das Blatt 5zu wühlen, weit es ihn „im Stich gelassen habe"; bringt man die Sache, [fo bittet einen der Einsender hinterher auch noch himmelhoch, nur ja nicht seinen Namen zu nennen, da er zwei jüdische Kunden habe; und fällt man hinein, so haben es natürlich viele kluge Leute vorhergewußt und sind empört, daß der Redakteur „die Sache" durch seine Unvorsichtigkeit schädige." Z'u denjenigen radikalen Antisemiten, die noch den Kopf hoch tragen, gehören der Abgeordnete Lieb er mann von Sonnenberg und dessen

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