Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 11 (November 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-11-01
- Page
- 607 (sequence 2)
- Language
- German
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Umschau. l',07 ■feciale Nesormpartei zum D. V. B. übertreten solle, anlangt, so ist diese Behauptung direkt unwahr, außerdem aber so absurd, daß sie sich von selbst richtet. Wenn Herr von Mosch gleich bei der Hand ist,. dies jederzeit vor. Gericht beeiden zu wollen, so beweist das höchstens einen Leichtsinn in der Auffassung dessen, was ein Eid ist, der geradezu ans Erstaunliche grenzt, weiter beweist es aber auch nichts. Daß Herr von Mosch die Gelegenbcit benutzt, mitzutheilen, daß er von mir erfahren habe, in unserer Parteikasse seien bei den letzten Hauptwahlen pro Wahlkreis ganze 90 Mark gewesen, so ist diese Mittheilung Zwar an sich richtig, aber eine Indiskretion bleibt sie auf alle Fälle. Herr von Mosch zeigt hier sein wahres Gesicht. Man sieht, wie vorsichtig man Leuten wie Herrn von Mosch gegenüber sein muß. Was würde dieser Herr dazu sagen, wenn ich private Aeußerungen, wie er sie z. B. über Herrn von Liebcnnann gemacht hat, prcisgeben wollte, den er jetzt als Eideshelfer anrufen möchte? Der „auf deutscher Hochwacht" stehende Herr Hans von Mosch scheint keine Skrupel dabei zu empfinden, wenn der Zweck die Allittel heiligen soll". Dieses ihm von seinem antisemitischen Gesinnungsgenossen ausgcstellre Zeugniß hat Herrn Hans von Mosch nicht abgehalten, im Oktober eine neue „Geschäftsreise" und zwar durch Wcstpreußen zu machen, diejenige Provinz, welche derDerleger der „Staatsbürger-Zeitung", Wilhelm Bruhn, schon weidlich abgegraft hat. Inzwischen reiste dieser in derselben Weise in Pommern und hielt dort in den kleinsten pommerschen Orten Vorträge, um für seine Partei und sein Zeitungsunternehmen Anhänger zu werben. In Danzig sollen sich zu der im „Dildungsvereinsbause"(!) abgehaltenen Versammlung des „Deutschen Volksbundes" nur etwa 100 Personen eirrgcstrnderr haben, auf welche außerdem die in dem Mosch'schen Vortrage beständig wiederkehrendeu Kraftausdrücke .G'Udcnbagage", „Gesaires" u.s.w. kaum sonderlichen Eindruck gemacht haben werden. Selbst in dem an antisemitische Reden gewöhnten Städtchen Könitz war der Vertrag des Herrn Hans von Mosch nur sehr mäßig besucht, aber dort fanden die vielen antisemitischen Uebertreibungen'dcs Redners und seine gegen das „Fremdvolk in Deutschland" gerichteten banalen Scherze immerhin einigen Widerhall. Im Ganzen läßt sich auch in jenen Gegenden ein Umschwung der Stimmung nicht verkennen, seit die Veössentlichung der „Amtlichen Gutachten des Medizinal-Kollegiums" den „Ritualmord-Märchen-Verbreitern" das Geschäft verdorben, seit ferner die Verurtheilung des antisemitischen Redakteurs O. Böckler wegen Beleidigung eines jüdischen Notars zu sechs Monaten Gefängniß den Beweis geliefert hat, daß der Jude im