Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1901-11-01 · Heft 11 (November 1901) · p. 606

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 11 (November 1901)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1901-11-01
Page
606 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316676-2316687--08808-2328694
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

den Ischen Reich. 606 Um scharr. A^enn die Antisemiten unter sich zu sein glauben, tritt zumeist der Futtern eid ihrer einzelnen Gruppen so grell hervor, daß jeder unbefangene Beobachter sich durch diese groteske Seite der Parteibewegung erheitert fühlen würde, wenn nicht das Gefühl moralischen Widerwillens sich stärker als der komische Eindruck erwiese. Bekanntlich wurde auf dem Leipziger Parteitage der deutsch-socialen Reformer dem „Deutschen Volksbunde" der Herren vr. Bocket, Professor I)r. Paul Förster und Hans von Mosch vorgeworfen, den Antisemitismus nur zu geschäftlichen Zwecken benützt und insbesondere in Berlin, Breslau, Stettin und Magdeburg dabei Mittel von höchst bedenklicher 'Art in Anwendung gebracht zu haben. Gegen den „Reisenden des Voltsbundes", Hans von Mosch, ist dabei sogar die Anrufung des Staatsanwalts empfohlen worden. Das; die Leiter des „Volksbundes" sich gegen solche Angriffe zur Wehr setzen würden, lies; sich natürlich erwarten, aber die Tonart, in welcher die „sreundnachbarliche" Auseinandersetzung geführt wurde, hat dennoch überrascht. Hans von Moscherklärte nämlich in dem Volksbund-Organ „Die Deutsche Hochwacht" u. A. wörtlich: „Wenn .... der Abgeordnete Bindewald .... von einem „Täuschungsversuche spricht, so ist das einfach infam! Wenn er weiter sagt, daß der „Deutsche Volksbund" den Antisemitismus „nur" benutze, um „Geschäfte" zu machen, so ist das gemein; und wenn er von der Begründung unserer Ortsgruppen in Stettin, Breslau, Berlin und Magdeburg sagt, „daß dabei Mittel zur Anwendung gebracht worden seien, die höchst bedenklicher Natur seien", so ist das eine infame und gemeine Verleumdung des Bundes, seiner ehrenwerthen Leitung durch den „Rath der 23" und meiner Person'. Wenn dann — ohne vom Vorsitzenden zur Ordnung gerufen zu werden — ein Theilnehmer des Parteitages ruft, daß ich reif für den Staatsanwalt sei, so ist das eine so perfide elende Verleumdung, daß dieser Lump wohl die Verachtung jedes anständigen Antisemiten aller Richtungen verdient". Darauf erließ der antisemitische Reickstagsabgeordnete Bindewald eine langathmige Entgegnung, in welcher zuletzt gesagt wurde: „Was die Behauptung, ich habe erklärt, ich welle auf unserem nächsten Parteitage den Antrag stellen, daß die Deutsch-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.