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Im deutschen Reich · 1901-11-01 · Heft 11 (November 1901) · p. 599

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 11 (November 1901)
Article
Konitz
Date
1901-11-01
Page
599 (sequence 29)
Language
German
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599 ,vlci]*dHT und wenige Kantoren in den kleinen Orten in Westpreußen, ^cn die sich nicht ein Ermittelungsoerfahren Seitens der Staatsmnoaltschaft gerichtet hat. Und trotzdem sind die Angriffe gegen die Behörden in reicher Mevge erhoben worden und zwar gegen Beamte jeder Stellung, gegen Richter, gegen Staatsanwälte, gegen Derwaitungobeamtc. Die „Staatsbürger-Zeitung" erklärte mit lebbaftem Bedauern: in dem Veleidignngsprocesse Weichelt sind die Zeitungen, die diesen christlichen Lehrer beleidigt haben, nur zu 10 und 12 Mark rerurtheilt worden; hätte ein antisemitischer Redaetenr Aehnliches über einen Juden gesagt, hätte er mindest-ms 5(H> Mark bekommen." Bon Joraelski, der freigesprochen ist, sagt die „Staatsbürger-Zeitung" einmal: „Jor dem Schwurgericht wurde das Ergebnis; ein entgegengesetztes gewesen sein." Dann erklärt sie ein andermal wiederum: Sie begreife garnicht, wie gegen Jsraelsli oorgegangen werden tonnte: der habe ja jelbstoerständlich frei gesprochen werden müssen bei dem unzulänglichen Material! An demselben Tage meldet ein anderes antisemitisches Blatt: Es ist unerhört, daß Jsraelski freigesorochen ist; das Material, das in dom Prozeß vorgebracht ist, ist ja ein erdrückendes! Von dem Bürgermeister Deditins wird gesagt: „Oas ist auch ein netter Bürgermeister. Die Bevölkerung wünsche sehnlichste daß er sobald als möglich seine Koffer packe. Er batte ja auch vor Gericht die Unwahrheit gesagt." Ich bitte dabei zu bedenken: in dem kleinen Lne Könitz ist nicht, wie bei uns, eine besondere Polizei-Verwaltung, icncrn der Bürgermeister ist gleichzeitig erster Pelizeichef und insofern an den Ermitlelungrn betbeiligt, und deshalb eben hielt man es für noeckmäßig, daß auch er verdächtigt werde. Von dem Oberstaatsanwalt Lautz wird gesagt: „Er hat bewiesen, das: er so ungeeignet wie möglich erscheint, die weiteren Recherchen ruich den Mördern zu leiten." Die „Deutsche Tageszeitung" sagt: „Die Behörden verfolgen die Spuren nicht, welche auf Juden als Thäter weisen." Aehnliches die Germania gesagt — Tie wissen, der Redakteur hat dafür einen Monat Gefängnis; bekommen. Der „Deutsche Volksbore" und die „Tt.mlsbürger-ZeitungJ rufen klagend aus: „Aus staatlichen Rücksichten wird nichts gegen Levy unternommen." Die „Staatsbürger- Ät.mg" faßt alles zusammen in das Wort: Es soll nichts herauZlsnnuenl Aber nicht die Antisemiten wünschen, daß nichts herauskommen soll, sondern die Staatsbehörden wünschen, daß nichts ermittelt toeitc, weil ja die Juden die Thäter sind. Herr Liebermanu von sounenberg erklärte einmal in einer Versammlung in Darmstadt, im Februar 1901: „Wie im Sternberg-Prozesse, so seien auch die Unter

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